Mittwoch, 25. März 2015

[REZENSION] Die Musik der Stille


DIE MUSIK DER STILLE (engl. The Slow Regard of Silent Things) ist ein kleines Büchlein (S. 173) von Patrick Rothfuss. Es ist in der selben Welt angesiedelt wie seine Königsmörder-Trilogie (DER NAME DES WINDES + DIE FURCHT DES WEISEN + noch nicht veröffentlichter dritter Band). Es beschäftigt sich ausschließlich mit einem aus der Trilogie bekanntem Charakter: Auri. Daraus ergibt sich, dass man die anderen Bücher gelesen haben sollte, bevor sich mit diesem beschäftigt. Doch werfen wir einen etwas genaueren Blick auf das Buch.

Was ist das besondere an diesem Buch?

Rothfuss hat eine seltsame Geschichte geschrieben und wie er im Nachwort deutlich macht, ist er sich völlig bewusst, dass die Geschichte alle Konventionen des Geschichtenerzählens ignoriert. Doch lassen wir ihn dazu selbst zu Wort kommen:

"Sie hat nichts von dem, was eine Geschichte normalerweise enthalten sollte. [...] Eine Geschichte sollte Dialoge enthalten, eine Handlung, einen Konflikt. Eine Geschichte sollte mehr als nur eine einzige Figur haben. Ich habe eine dreißigtausend Worte lange Vignette geschrieben!" (S. 166)


Das hat er gut erkannt und insofern ist es eine furchtbare Geschichte. Es ist eine schlechte Geschichte, weil die Geschichte fehlt.


Gibt es Gründe das Buch trotzdem zu lesen?

Durchaus. Zum einen schreibt Rothfuss auch hier in seinem wunderbaren, ausschweifenden und detailverliebten Stil. Zum anderen ist das Buch ein liebevolles Portrait eines sehr besonderen Charakters. Wer die Königsmörder-Bände gelesen hat, hat Auri als liebevolle, zarte, zerbrechliche Frau mit einem seltsamen Knacks kennen gelernt. Hier lernt man sie und ihren besonderen Blick auf die Welt noch besser kennen. Das Buch vermittelt eine ruhige Stimmung und hat fast etwas meditatives.

Fazit: Dies ist ein sehr besonderes Buch und ich kann die Leser, die es lieben, genau so gut verstehen wie die, die es furchtbar finden. Ich selbst habe mich lange über die fehlende Story aufgeregt, bis mich irgendwann die Stimmung gepackt hat. Hören wir mal, was Rothfuss selbst dazu meint:

"Diese Geschichte ist für all die leicht angeknacksten Leute da draußen. Ich bin einer von euch. Ihr seid nicht allein. Und in meinen Augen seid ihr alle schön." (S.173)

Dass Problem ist nur, dass man, bevor man das Buch gelesen hat, nicht wissen kann, ob man den passenden Knacks hat, um es gut zu finden.


Wertung: 0-5/5 Sternen


PS: Noch ein kleiner Kommentar zu zwei Punkten die in vielen anderen Rezensionen vorkommen. 
1.) Dies ist nicht der nächste Band in der Königsmörder-Trilogie. Das wurde aber auch nie behauptet. 
2. )Das Büchlein kostet 17,95 Euro. Das ist ein ganz normaler Preis für einen aktuellen, dünnen Hardcover-Band und keineswegs überteuert.

Kommentare:

  1. 0-5 von 5 Sternen. Sehe ich das richtig? Du lässt die Sterne weg?
    Was ich persönlich gut finden würde, denn danach klingt die Rezi.
    Aber hast du jetzt den Knacks?
    Du wirst ja wohl nen Knacks haben! Jeder von uns hat doch einen! *lach

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  2. Ja, gemeint sind tatsächlich 0 bis 5 Sterne. Ich kann nachvollziehen, wenn es jemand furchtbar findet aber auch wenn es jemand genial findet. Ich habe mich lange über das Buch geärgert, bis es mich dann kurz vor Ende doch noch gepackt hat.

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  3. Ich hab zufällig gesehen, dass du das Buch auch rezensiert hast und war neugierig auf deine Meinung. ;) Meine Sterne fielen da eindeutiger aus, aber deshalb ist es ja so kontrovers. ^^

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