Dienstag, 31. März 2015

[INTERVIEW] Christian Sußner

Christian Sußner ist zusammen mit seinem Bruder der Autor des Fantasy Spielbuchs "Das Feuer des Mondes", das im Dezember 2014 im Mantikore Verlag erschienen ist. Die Rezension zum Buch findet ihr hier. Freundlicherweise hat Christian sich die Zeit für ein Interview mit der Bibliothek von Imre genommen.

Die Autoren von DAS FEUER DES MONDES
Christian (li.) und Florian (re.) Sußner

Hallo Christian! Ich freue mich, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Bevor wir in medias res gehen eine ganz einfache Frage. Heißt du eigentlich Sussner oder Sußner? Man liest den Namen mal so und mal so.

Hi André! Die Freude ist ganz auf meiner Seite! Das mit unserem Nachnamen ist so eine Sache. Der wird sehr oft falsch geschrieben. Der Kreativität ist keine Grenzen gesetzt: Sehr beliebt ist Süßner. Im Ausland wird es zu Subner. Wir haben aber auch schon viele andere Varianten gelesen.
Bei der Frage, ob „ß“ oder „ss“ genommen wird, ist es uns daher eigentlich fast egal, so lange der Rest stimmt. Richtig ist „ß“, aber unser Onkel zum Beispiel schreibt sich mit „ss“, und wir sprechen das „u“ vor dem „ß“ auch kurz aus, so dass nach der neuen deutschen Rechtschreibung wohl eigentlich „ss“ richtig wäre.
Wusstest du, dass die Schwaben zu dem „ß“ Dreierles-S sagen? Das finde ich großartig.

Nein, das wusste ich noch nicht. Nachdem das geklärt ist, können wir jetzt ja zu den „anspruchsvolleren“ Fragen kommen. Warum ein Spielbuch und kein Roman?

Gute Frage. Es war nicht so, dass wir das konkret geplant hätten. Wir haben vorher Kurzgeschichten geschrieben, da wäre eigentlich ein Roman der logische nächste Schritt gewesen. Wir haben dann aber „einfach mal so“ mit einem Spielbuch angefangen, das wurde dann immer ernsthafter und ambitionierter und irgendwann war es dann so weit, dass wir es fertig machen wollten.

Du hast das Buch ja nicht alleine geschrieben, sondern zusammen mit deinem Bruder. Erzähl doch bitte ein wenig darüber, wie das praktisch abgelaufen ist!

Das ging echt gut, es war sogar eine Art Garantie, dass wir das Projekt auch wirklich abschließen. Das Buch ist ja in drei Teile aufgeteilt. Teil 2 hat mein Bruder geschrieben, Teil 3 habe ich geschrieben, und in Teil 1 – wo der Plot vorangetrieben wird – hat immer der geschrieben, der gerade Zeit hatte. Es war dann auch sehr hilfreich, dass wir untereinander gut kritisieren können, ohne dass der andere beleidigt ist. Da gibt es eine breite Vertrauensbasis, die wir vielleicht mit „fremden“ Autoren nicht hätten. Einmal habe ich zum Beispiel Nächtelang ein neues Kampfsystem ausgeklügelt, das Florian nicht gut fand. Es war gut, dass er das einfach gesagt hat und da nicht diplomatisch war. Zu viel Höflichkeit ist bei solchen Prozessen wenig hilfreich. 

Wie hat sich die enge Zusammenarbeit auf euer Verhältnis ausgewirkt?

Gut. Wir sind beide in den letzten Jahren ein bisschen durch Deutschland und Europa getingelt. Als mein Bruder endlich wieder in Nürnberg war, bin ich gerade von England nach Ulm gezogen, später nach Stuttgart. Wir haben uns da sehr selten gesehen, und wir sind beide nicht so die Telefonierer oder Schreiber, wenn es keinen Grund dafür gibt. Es gab aber dann immer das Spielbuch, weswegen wir uns regelmäßig abstimmen mussten.

Mein Lieblingsmechanismus im Buch ist der Teleportationsring, der es erlaubt auf einfache Weise Orte ein zweites mal aufzusuchen. Wer hatte diese praktische Idee?

Ich (lacht). Bei vielen Sachen war es so, dass sich einer irgendwann gedacht hat „eigentlich nervt es, dass …“ oder „warum kann man eigentlich nicht …“ und sich dann eine Lösung überlegt hat. So war es bei dem Ring: Uns war es wichtig, dass man zu jeder Lichtung zurückkehren kann, an der man schon mal war. Bin ich jetzt gerade im Westen, und will dann zum Händler ganz nach Osten, dann ist es ein ganz schönes Geblättere, wenn ich nicht mogeln will, ohne dass ich was davon habe. Ich selber habe es beim Probespielen dann immer so gemacht, dass ich gesprungen bin. Da war dann die Überlegung: Kann man das nicht so gestalten, dass der Spieler „offiziell“ springen kann?
Außerdem fanden wir es cool, einen Gegenstand zu erhalten, der einem eine besondere Fähigkeit gibt. 

So ähnlich war das zum Beispiel auch bei dem Orakel des Fei. Wir hatten Lust, so etwas wie einen Orakelspruch einzubauen, der vielleicht nicht sofort selbsterklärend ist, im Laufe des Abenteuers dann aber klarer wird. Also haben wir das einfach gemacht.

Mit dem Teleportationsring und der Karte habt ihr einige frustrierende Situationen, die sich bei anderen Spielbüchern ergeben umgangen. Offenbar habt ihr also aus den Fehlern anderer Spielbücher gelernt. Welche Spielbücher und/oder Rollenspiele haben dich beeinflusst?

Am stärksten sicherlich die ganzen Fighting Fantasy Bücher. Der Hexenmeister vom flammenden Berg, Sorcery!, Sumpf der Skorpione. Dann natürlich auch Einsamer Wolf. Bei der Entstehung des Buchs haben wir eine ganze Reihe weiterer Bücher gelesen, um zu sehen, was andere Autoren noch so gemacht haben. Gerade auf Englisch gibt es ja unendlich viele Serien. Wir haben uns natürlich auch die neuen Sachen im Mantikore-Verlag angesehen.

Welche Bücher, Filme, Musik haben dich sonst noch beeinflusst?

In erster Linie natürlich die, die wir schon in der Bibliographie nennen. Ich denke die prägendsten waren Computerspiele wie Diablo I und II, dann natürlich die ganzen Fantasy-Klassiker wie Herr der Ringe, Sword of Truth, auch Eragon usw. Und: Blues Brothers – ohne Mist, der Film hat auch für „Das Feuer des Mondes“ eine gewisse Vorbildfunktion gehabt.

Im Nachhinein sind und noch ein paar Sachen eingefallen, die wir gerne irgendwie eingebaut hätten, die aber leider keinen Platz mehr gefunden haben. Vielleicht im nächsten Teil? Definitiv fehlt zum Beispiel ein Bezug auf Army of Darkness und Freddy Kruger. Auch Masters of the Universe hätten wir eigentlich noch einbauen müssen.

Ich habe auf eurer Website gelesen, dass ihr auch Lesungen macht. Wie muss ich mir eine Lesung aus einem Spielbuch vorstellen?

Interaktiv! Wir steigen in die Story ein und erleben erste Abenteuer mit den Lesern, die natürlich entscheiden müssen, wie es weitergeht, die Würfel werfen, etc. Sehr viel schafft man natürlich in einer Lesung nicht, aber für zwei-drei Lichtungen reicht es schon. Macht jedenfalls großen Spaß, und wir freuen uns auch über Anfragen zu Lesungen. Übrigens warten wir noch darauf, bei einer Lesung das erste Mal zu sterben!

Gibt es Pläne die Welt, die ihr für „Das Feuer des Mondes“ erschaffen habt weiter zu verwenden, z.B. in einem zweiten Spielbuch, einem Rollenspiel oder einem Roman?

Grundsätzlich Ja. Das Thema Fortsetzung von Das Feuer des Mondes ist noch nicht vom Tisch. Ich kann mir auch vorstellen, dass es Romane in der Welt geben wird, aber mal sehen. Es gibt immer so viele Projekte und so wenig Zeit!

Ich habe gehört, dass ihr schon an einem neuen Projekt arbeitet. Was kannst du uns zu diesem Zeitpunkt darüber erzählen?

Ach, da gibt es ein paar Geschichten. Auch wenn wir uns momentan eher auf Buch-Marketing konzentrieren, haben wir beide verschiedene Sachen in der Pipeline. Ich habe gerade zwei Sachen gemacht, die mit Fantasy nicht viel zu tun haben. Das eine war ein Kurzkrimi für eine Anthologie, das andere eine Übersetzung eines philosophischen Textes für eine Zeitschrift. Das war alles mal eine schöne Abwechslung. Florian hat ja eh permanent alle möglichen Theaterprojekte laufen, aktuell schreibt er zum Beispiel ein neues Kulinartheater, das im Herbst Premiere haben soll. Dann hat er vor Kurzem mal einen Entwurf geschickt für dann doch wieder ein neues Spielbuch, aber in einem ganz anderen Konzept und auch ohne Fantasy, mal sehen was daraus wird. Ja, und ein Roman ist auch im Hinterkopf, ist das aber schon seit zwei Jahren und geht nicht so recht voran. Liegt vielleicht auch daran, dass wir zu viele Projekte haben (lacht).

Vielen Dank für das Interview!

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