Mittwoch, 25. März 2015

[REZENSION] Der schwarze Obelisk

"Scheltet nicht, wenn ich einmal von alten Zeiten rede. [...] wenn ich einmal zurückgehe zu den sagenhaften Jahren, als die Hoffnung noch wie eine Flagge über uns wehte und wir an so verdächtige Dinge glaubten wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz - und auch daran, dass ein Weltkrieg genug Belehrung sein müsse für eine Generation..."



Mir diesen Worten leitet Erich Maria Remarque seinen Roman "Der schwarze Obelisk" ein. Wie die meisten seiner Romane ist auch dieser stark von seinen eigenen Erlebnissen geprägt. Er war selbst im ersten Weltkrieg an der Westfront, wurde danach Volksschulleher in Norddeutschland, verdingte sich als Agent für Grabsteine, spielte Klavier im "Irrenhaus" und wurde schließlich Zeitungsredakteur. 1933 - im selben Jahr in dem in Deutschland seine antimilitaristischen Bücher verbrannt wurden - zog er in die Schweiz und entging so dem schlimmen Schicksal, das ihm im nationalsozialistischen Deutschland gedroht hätte.

"Der schwarze Obelisk" wird aus der Sicht des Grabsteinverkäufers Ludwig erzählt. Das Jahr ist 1923 - der Beginn der großen Inflation. Ludwig trauert seiner durch den Krieg verlorenen Jugend nach, sucht den Sinn des Lebens und auch seine große Liebe.

Diesen Roman kann man (natürlich) auf verschiedenen Ebenen lesen und verstehen. Schon die "oberflächlichste" Ebene hat unglaublich viel zu bieten. Remarque zeichnet ein sehr verständliches Bild von dieser Zeit und macht es dem Leser leicht diese und viele ihrer Probleme zu verstehen: Wie wirkte sich die Inflation auf das tägliche Leben aus? Wie konnte es so kurz nach dem ersten Weltkrieg schon wieder zu einer starken nationalistischen Bewegung kommen? Und und und... Auch Ludwigs Gedanken zu verschiedenen Themen (Kirche, Sinn des Lebens, Nationalgefühl,...) sind spannend und lehrreich.

Aber natürlich muss man nicht bei dieser Ebene des Verstehens bleiben. Vieles lässt sich hinterfragen. Schon alleine die Frage, wofür der nicht nur im Titel vorkommende schwarze Obelisk steht, führt zu vielen interessanten Antworten. Den Einstieg in so eine tiefer gehende Betrachtung, erleichtert ein 28-seitiges Nachwort von Tilman Westphalen (KiWi Ausgabe von 2014).

Fazit: Mich hat dieser Roman, genau wie die anderen Romane, die ich von Remarque bislang gelesen habe ("Im Westen nichts Neues" und "Der Weg zurück") sehr fasziniert. Schon alleine um nachvollziehen zu können, was die damalige Inflation für die Menschen bedeutet hat, lohnt es sich dieses Buch zu lesen. Und dabei ist diese eigentlich nur ein kleines Nebenthema... Wer mehr über die Zeit zwischen den Kriegen lernen und sich zum kritischen Nachdenken anregen lassen will, ist mit diesem Buch bestens bedient.


Wertung: 5/5 Sternen

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