Montag, 6. April 2015

[INTERVIEW] Judith C. Vogt

Judith C. Vogt (fotografiert von Christian Lange)

Die gelernte Buchhändlerin Judith C. Vogt wurde 1981 in der Eifel geboren. 30 Jahre später veröffentlichte sie mit dem Rollenspielroman „Im Schatten der Esse“ ihren ersten Roman. Im Jahr darauf erschien der erste Teil ihrer „Die Geister des Landes“-Trilogie. Mittlerweile hat sie – teilweise zusammen mit ihrem Mann Christian – elf Romane veröffentlicht. Ihr Roman „Die zerbrochene Puppe“ wurde 2013 mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.

Ihr aktuelles Buch ist der dritte und abschließende Band ihrer Eifel-Mythen-Geek-Jugendbuchtrilogie "Die Geister des Landes". Die Rezension zum dritten Band findet ihr hier und eine weitgehend spoilerfreie Rezension zur gesamten Reihe findet ihr hier.

Hallo, Judith. Herzlich willkommen und vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

Danke dir für das Interview. Außerdem wünsche ich deinem Bücherblog einen guten Start!

Danke! Nun ist also der dritte und letzte Band von „Die Geister des Landes“ erschienen. Damit ist dein erstes veröffentlichtes Projekt nun abgeschlossen. Was ist das für ein Gefühl?

Erst einmal war ich erleichtert - insgesamt sind es über 1000 Seiten, jetzt müsste doch eigentlich alles zur Zufriedenheit aller aufgelöst sein ... oder? Dann kam die Anspannung, als es erschienen ist: Wie kommt es denn jetzt an? Ist wirklich alles aufgelöst? Hab ich irgendwas vergessen? Ist ein doofer Fehler drin? Oder gleich mehrere? Aber langsam kommen die ersten Rückmeldungen, und grad in der Rollenspieler-Szene scheint es gut anzukommen. Die Rezensentin auf Neue Abenteuer schrieb mir dazu: "Ich finde, wir dürfen auch mal unsere eigene Literatur haben." Das ist natürlich cool, wenn es sich irgendwie ein bisschen als der "RPG-Szenen-Roman" etabliert.

Im Informationstext des dritten Bandes kann man lesen, dass du mit dieser Trilogie deine Jugend aufgearbeitet hättest. Wie viel Autobiographisches steckt tatsächlich in den Büchern?

Viel. In den drei Nerds steckt jeweils ein Stück von mir selbst, das ich natürlich zu Unterhaltungszwecken stark übersteigert und auch ein bisschen persifliert habe. Außerdem - die Verzweiflung, fernab größerer Orte auf nicht existierende Busverbindungen angewiesen zu sein und gleichzeitig das Wissen darum, dass man in wesentlich hässlicheren Ecken der Welt wohnen könnte - das bildet zusammen irgendwie ein kleines Spannungsfeld.
Aber dass ich mit 17 in die World of Darkness geflüchtet bin, hat natürlich seinen Ursprung in der Einsamkeit eines 100-Seelen-Dorfs.


Die Protagonisten sind das, was man heute Nerds oder Geeks nennt: Rollenspieler, Whovians, Firefly-Fans,... Welche nerdigen Interessen hast du selbst?

Ziemlich genau die, die auch im Buch vorkommen. Ich könnte schwer glaubhafte Nerd-Anspielungen auf Comics in einen Text einbauen, denn ich bin kein ausgemachter Comic-Freak (natürlich mache ich Ausnahmen für "Sandman") - genauso wenig bin ich Trekkie, Tabletopper, LARPer oder Cosplayer. Daher überwiegen wohl die Anspielungen aufs Pen and Paper-Rollenspiel, auf Doctor Who, Joss Whedon, Star Wars, Game of Thrones etc.

Mal abgesehen von den Interessen: Mit welchem deiner Protagonisten kannst du dich am meisten identifizieren?

Ich glaube, am Anfang war es Dora (trotz ihres Hangs zur Esoterik), aber im Laufe der Bücher bin ich zu Gregor umgeschwenkt. Ich kann mich, glaube ich, gar nicht so sehr mit ihm identifzieren. Ich würde ihn vermutlich unerträglich finden, wenn es ihn wirklich gäbe. Aber ich finde ihn sehr unterhaltsam.

Um es möglichst spoilerarm zu formulieren: Die eine oder andere Figur im Buch entwickelt so etwas wie „Superkräfte“. Welche Superkraft hättest du selbst gerne und warum?

Am aufregendsten fände ich den Klassiker: Fliegen. Dazu bräuchte ich nicht einmal eine Superkraft - da würde es mir schon reichen, einen verwundeten Drachen zu, ähm, "reparieren", wie Hicks aus "Drachenzähmen leicht gemacht".
Besonders nützlich sind Zeit-Dinge. Zeit verlangsamen, Zeit aufteilen, so dass man mehrere Dinge gleichzeitig tun kann. Aber das ist so schrecklich produktiv, und vielleicht wäre es dann doch nett, sich bei Vollmond in ein Tier mit Reißzähnen zu verwandeln und alles, was man dringend tun müsste, einfach mal zu vergessen.


Im Laufe der Geschichte passiert es nicht nur einmal, dass aus Freundschaft mehr wird. Wie siehst du das? Können Männer und Frauen einfach „nur“ Freunde sein?

Auf jeden Fall. Mein Freundeskreis besteht zum, ich glaube, überwiegenden Teil aus Männern, und wir kommen sehr gut damit klar, Freunde zu sein. Wir sind allerdings auch alle in stabilen Beziehungen, was das Ganze, glaub ich, sehr erleichtert ... Und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als Jugendliche ebenfalls häufig mit Jungs befreundet war, es dann allerdings häufiger mal vorkam, dass entweder ich auf einmal heftig in jemanden verliebt war, der mich nur als Kumpel sah, oder der Junge in mich verliebt war, ich jedoch nicht in ihn ... Vermutlich sucht man in dieser Zeit auch einfach noch stärker und hofft dann, dass aus Freundschaft dann doch die große Liebe wird. Jetzt bin ich Mitte Dreißig und kann prima mit meinen Freunden Bier trinken.

Mit der Morrigan, die – spätestens seit Kevin Hearnes „Chronik des eisernen Druiden“ - auch zu meinen Lieblingssagengestalten gehört, hat es eine Figur in die Geschichte geschafft, die nicht im besonderen Maße mit der Eifel verbunden ist. Wie kam es dazu?

Die Morrigan kenne ich schon sehr lange (ich weiß gar nicht mehr, woher ursprünglich). Sie ist nicht mit der Eifel verbunden, aber was auf jeden Fall mit der Eifel verbunden ist, sind dreifache Göttinnen - und da habe ich gedanklich immer wieder den Bezug zur Morrigan hergestellt. Ihr Name ist ja auf jeden Fall irisch, aber von den Festlandkelten ist auch nicht viel überliefert. Wer weiß schon, ob sie neben der segensspendenden Dreiheit der Matronen nicht auch eine kriegerische dreifache Frauengestalt angebetet haben?

Zum Teil schreibst du ja auch mit deinem Mann zusammen. Wenn man weiß, dass er sich beruflich mit Geothermie beschäftigt hat, könnte man auf den Gedanken kommen, dass auch „Die Geister des Landes“ nicht völlig frei von seinem Einfluss ist. Erzähl uns etwas darüber!

Christian ist Physiker und hat im Bereich der Geothermie promoviert. Da auch ein Stück Öko-Edi in mir steckt, reden wir viel über regenerative Energien, Erdwärme, dass CO2 im Untergrund von Maria Laach "lauert" usw. Das macht die Ideenfindung natürlich einfacher - und ich weiß dann auch direkt, wen ich frage, wenn ich Hilfe bei der Recherche brauche ...
Außerdem gibt's natürlich im Umfeld des Charakters Nils Vogel einige Anspielungen auf die RWTH und Institute mit dämlichen Abkürzungen.
Christian ist auch bei den Romane, bei denen er nicht mitschreibt, der erste Testleser.


Das Ende des Buches bietet ja durchaus Möglichkeiten die Geschichte irgendwann weiterzuführen. Gibt es in der Hinsicht konkrete Pläne?

Konkrete Pläne nicht. Aber wir waren vor ziemlich genau 8 Jahren (war auch im April) in Island, und der Snaefelljökull wird tatsächlich "das dritte Auge der Erde" genannt. Damals kamen mir so Ideen, was die Unauffälligen vorhaben könnten - und vielleicht geht es dann tatsächlich irgendwann mal weiter und die vier Protagonisten machen ein Auslandssemester in Island.

Welche anderen Projekte gibt es, von denen du uns schon erzählen kannst?

2016 wird es ziemlich wahrscheinlich eine Fortführung von "Die zerbrochene Puppe" geben. Der Arbeitstitel ist momentan "Die verlorene Puppe", und es wird keine Fortsetzung werden, sondern ein zweiter Roman in der gleichen Steampunk-Eiszeit-Welt. Allerdings mit Gastauftritten.
Vorher gibt es noch weiteres Futter für ebendiese Welt, nämlich für Spieler des Rollenspiels FateCore (oder Leute, die es werden wollen) wird in diesem Jahr ein Settingband namens "Eis&Dampf" erscheinen. Daran haben wir mit ziemlich vielen Leuten aus der Rollenspielschreiberszene zusammengearbeitet, weshalb der Band sehr vielseitig wird, und wir freuen uns schon sehr drauf.


Bevor wir zum Ende kommen noch eine letzte Frage, um es dem nächsten, der dich interviewen darf, leichter zu machen: Welche Frage würdest du gerne mal in einem Interview gestellt bekommen?

Ich fand deine Fragen sehr kreativ - super, vielen Dank! Ich kann eher sagen, welche Frage ich nicht gestellt bekommen möchte: Nämlich "Woher hast du deine Ideen?" Schreckliche Frage. Ich hab schon überlegt zu antworten: "Die gibt es alle paar Wochen im Aldi im Sonderangebot, man muss nur dienstags früh genug da sein."
Ich finde auch "Entweder - oder"-Fragen können lustig sein. So was wie "Van Gogh oder Mucha?", "David Tennant oder Matt Smith?" oder "Buffy oder Twilight?" Okay, die letzte war blöd. Da gibt es ja nur eine mögliche Antwort. ;)


Auf die "David Tennant oder Matt Smith"-Frage meiner Meinung nach übrigens auch. ;) Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Dir auch noch mal vielen Dank!

Kommentare:

  1. Hallo André :)
    ein sehr tolles und interessantes Interview mit einer sehr sympathischen Autorin :D Ich hab es aber erst jetzt gelesen nachdem ich mit Band 3 der Geister des Landes angefangen habe weil ich immer Angst vor Spoilern habe. Aber deine Interviews sind immer echt gut und aufschlussreich und dabei spoilerfrei! Finde ich echt klasse!

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Hi Sonja,

      danke für das Lob. Es freut mich, wenn die Interviews gut ankommen. Dass sie immer komplett spoilerfrei sind, kann ich aber nicht garantieren. Ich versuche zwar mit meinen Fragen nicht zu sehr auf die Handlung einzugehen aber wohin eine Frage führt, weiß man halt nie. In meinem aktuellsten Interview habe ich Akram El-Bahay zum Beispiel gefragt, was er schon zum zweiten Band von Flammenwüste sagen kann und seine Antwort verrät nicht gerade wenig über Band 1. Aber auch nicht so viel, dass es einem Band 1 verderben würde...

      LG,
      André

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