Dienstag, 30. Juni 2015

[INTERVIEW] Akram El-Bahay

Autorenfoto

Im Herbst 2014 legte Akram El-Bahay mit Flammenwüste ein viel beachtetes Debüt vor, für das er dieses Jahr von der Phantastischen Akademie mit dem SERAPH für das beste Debüt ausgezeichnet wurde. Mehr über das Buch erfahrt ihr hier. Ein sehr informatives Interview mit dem Autor findet ihr auf den Seiten der Phantastik-Couch. Die gute Vorarbeit gibt mir die Chance ein paar ungewöhnlichere Fragen zu stellen, die ihr hoffentlich genauso interessant findet, wie ich. In diesem Sinne: Viel Spaß mit dem folgenden Interview!

Herzlich willkommen, Akram! Ich freue mich, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Stell dich doch bitte unseren Lesern kurz vor!

Hallo, danke für die Einladung zum Interview. Ich bin 37 Jahre alt und wohne im Rheinland. Meinen orientalischen Namen habe ich von meinem ägyptischen Vater erhalten. Schreiben war und ist meine Leidenschaft, die zu meinem Debütroman FLAMMENWÜSTE geführt hat. Neben dem Schreiben habe ich noch Zeit für einige Hobbies. Genauer gesagt sind es drei. Da ist zunächst das Kochen (besonders Mittelmeerküche – spanisch, italienisch, griechisch und natürlich arabisch). Das Mischen der verschiedenen Zutaten ist etwas, dass auch beim Geschichtenerzählen eine wichtige Rolle spielt. Wenn man richtig mischt, kommt etwas heraus, das andere genießen können. Und je mutiger man bei der Auswahl der Zutaten ist, desto einzigartiger kann das Ergebnis sein. Außerdem laufe ich gerne (gut, wenn man gerne kocht) und gehe ich regelmäßig zum Fußball(gucken).

Als jemand, der Bücher liebt, liest du doch bestimmt auch gerne. Was liest du denn so privat?

Im Grunde lese ich gerne, was ich auch schreibe. Zu den Büchern, die ich privat in die Hand nehme, zählen natürlich DER HERR DER RINGE und DER HOBBIT. Dazu lese ich gerne die Geschichten von Terry Pratchett und Astrid Lindgren. Zum meinen deutschsprachigen Lieblingsautoren zählt vor allem Cornelia Funke. Aber auch etwas exotischere Schriftsteller wie Nagib Mahfuz oder Rafik Schami mag ich sehr. Dass ich Märchen wie die ERZÄHLUNGEN AUS TAUSENDUNDEINER NACHT im Bücherregal stehen habe, versteht sich wohl von selbst. Es ist also eine ziemlich bunte Mischung.

Wenn du einen Tag mit einem Charakter aus einem Buch tauschen könntest, wer würdest du sein wollen?

Für diesen Tag wäre ich gerne Pippin aus dem HERRN DER RINGE. Als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, wollte ich unbedingt einmal Gondor mit eigenen Augen sehen. Also wäre ich gerne er, als er vor der großen Schlacht in der berühmten Stadt ist.

Einige Monate vor FLAMMENWÜSTE ist mit FLAMMENWÜSTE – DAS GEHEIMNIS DER GOLDENEN STADT schon eine Art ausgedehnter Prolog erschienen. Allerdings nur als ebook. Elektronisch lese ich aus Prinzip nicht, weil ich echte Bücher liebe. Wie stehst du zu ebooks und warum sollte ich für dein ebook eine Ausnahme machen?

Ebook oder gedrucktes Buch? Das ist aus meiner Sicht vor allem eine Glaubensfrage. Ein wenig wie damals die Entscheidung: Schallplatte oder CD? Grundsätzlich lehne ich Ebooks nicht ab, auch wenn ich lieber gedruckte Bücher in die Hand nehme. Ich finde, es geht nichts über das Erlebnis, ein neues Buch anzufassen und daran zu riechen. Es gibt aber Gelegenheiten, bei denen die elektronische Version einfach ihre Vorteile ausspielt. Etwa im Urlaub, im Bus oder wenn ich eine Geschichte nur aus der Bücherei leihen möchte. Bei Kurzromanen wie dem GEHEIMNIS DER GOLDENEN STADT stellt sich die Frage, ob sie aufgrund der geringen Seitenzahl überhaupt als eigenständige Geschichte gedruckt würden. Daher kann ich dir guten Gewissens raten, dir einen Ebook-Reader zu kaufen, damit du DAS GEHEIMNIS DER GOLDENEN STADT und andere Kurzromane zu lesen bekommst.

Ich habe in deinem Buch viele Namen gefunden, die auch Pierre Grimbert in seiner Ji-Reihe verwendet. Offenbar lasst ihr euch bei der Namensfindung von denselben Einflüssen inspirieren. Wie findest du die Namen für deine Charaktere?

Die Namen sind sehr wichtig, denn sie sollen im besten Fall einzigartig sein und eine Bedeutung besitzen, die dem jeweiligen Charakter zuzuordnen ist. Da sich FLAMMENWÜSTE an den ERZÄHLNUNGEN AUS TAUSENDUNDEINER NACHT orientiert, sind viele der Namen arabischen Ursprungs. Nûr ed-Din beispielsweise war eine reale orientalische Persönlichkeit. Sein Enkel Anûr, der Hauptcharakter aus FLAMMENWÜSTE, ist eine Ableitung von Nûr. Den Namen gibt es so eigentlich nicht. Ein weiteres Beispiel ist die Festungsstadt Mât, die sich vom persischen Begriff für Tod herleitet (wie auch der Begriff Matt im Schach). Einige Namen sind aber auch ganz einfach frei ausgedacht, wenn sie sich gut anhören wie etwa der der Stadt Nabija. Was Pierre Grimbert angelangt, so habe ich seine Bücher bislang nicht gelesen. Aber aufgrund deiner Frage habe ich mich mal schlau gemacht. Dabei bin ich über den Namen Usul gestolpert. In den Ji-Büchern ist das wohl ein Gott, in FLAMMENWÜSTE ein Drachenwächter. Der Ursprung des Namens ist arabisch und bedeutet soviel wie Wurzel oder Stamm. Ich kann mir gut vorstellen, dass Pierre Grimbert zumindest in einigen Fällen ähnlich bei der Namenssuche vorgegangen ist wie ich.

Der zweite – oder genau genommen dritte – Band ist für September angekündigt. Was war schwerer? Etwas komplett Neues zu schreiben oder eine Fortsetzung?

Das ist wirklich eine schwierige Frage. FLAMENWÜSTE war als eigenständige Geschichte angelegt, die ich, falls möglich, auch weiterführen konnte. Somit war ein erheblicher Teil des Ausdenkens bereits erledigt, als die Arbeit an FLAMMENWÜSTE – DER GEFÄHRTE DES DRACHEN begonnen habe. Allerdings bestand die große Aufgabe darin, alles passgenau auf den ersten Band aufzusetzen. Es gab Anknüpfungspunkte aus FLAMMENWÜSTE, die ich exakt übernehmen musste. An einigen Stellen war also die Freiheit, die ich bei FLAMMENWÜSTE hatte, im zweiten Band nicht mehr vorhanden. Gleichzeitig wollte ich auch nicht, dass die Geschichte vorhersehbar ist. Sie soll genauso wie FLAMMENWÜSTE überraschen. Das Neue musste also genau zum Alten passen. Ich fand es von diesem Gesichtspunkt aus schwerer, eine Fortsetzung zu schreiben als einen eigenständigen Roman.

Kannst du uns schon irgendwas über den nächsten Band verraten?

Auch der zweite FLAMMENWÜSTE-Band dreht sich um den jungen Geschichtenerzähler Anûr ed-Din. Er muss das erste aller Worte, den Ursprung aller Magie, finden und vor einem dunklen Magier schützen. Dabei rückt Anûrs Entwicklung mehr und mehr in den Fokus. Er geht den Weg hin zu dem Helden, der er immer schon sein wollte. Dazu wird natürlich auch die Beziehung zu den Drachen vertieft, besonders zu Meno, dem feuerlosen Drachen. Es gibt neue Orte zu entdecken, die den Horizont der orientalischen Wüstenwelt aus dem ersten Band erweitern, während der Leser Anûr und den anderen folgt. Anûr muss die Welt retten. Und dafür riskiert er wirklich alles.

Ist die Geschichte mit dem nächsten Band abgeschlossen oder wird es eine Trilogie oder vielleicht sogar eine Reihe?

Es könnte noch ein dritter Teil folgen, aber erstmal mache ich den zweiten Teil fertig.

Gibt es abseits der FLAMMENWÜSTE schon literarische Ideen oder gar konkrete Projekte?

Klar gibt es Ideen, aus denen ich gerne einen Roman machen würde. Allesamt sind sie in der Fantastik angesiedelt, auch wenn sie nicht alle so orientalisch sind wie FLAMMENWÜSTE. Unter anderem geht es darin um Träume und eiserne Herzen. Aber es ist noch zu früh, näher darauf einzugehen.

Bevor wir zum Ende kommen noch eine letzte Frage, um es dem nächsten, der dich interviewen darf, leichter zu machen: Welche Frage würdest du gerne mal in einem Interview gestellt bekommen?

Vermutlich die, an welchen Stellen in FLAMMENWÜSTE Motive aus den ERZÄHLUNGEN AUS TAUSENDUNDEINE NACHT eingeflossen sind. Ich habe viel Wert darauf gelegt, dass es immer mal wieder kleine Anspielungen und Feinheiten zu entdecken gibt, wenn man die orientalischen Märchen kennt (und damit meine ich nicht Aladin und die Wunderlampe oder Ali Baba, die in Wirklichkeit gar nicht zu den ERZÄHLUNGEN AUS TAUSENDUNDEINE NACHT gehören). Außerdem liegt mir das Konzept hinter der Bibliothek der ungeschriebenen Bücher und dem ersten aller Worte am Herzen. Fragen dazu sind immer sehr willkommen!


Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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