Freitag, 26. Juni 2015

[INTERVIEW] Felix A. Münter

Felix A. Münter auf der SPIEL 2014
Dieses Jahr veröffentlichte Felix A. Münter mit Arcadia seinen ersten Horror-Roman. Zuvor hatte er mit The Rising bereits zwei Romane veröffentlicht, die in einem postapokalyptischen Setting angesiedelt sind. Wenn ihr mehr über den Autor erfahren wollt, seid ihr hier genau richtig. Mehr über das Buch könnt ihr in der Rezension erfahren.


Hallo Felix! Ich freue mich, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Sei doch so nett und stell dich kurz vor!

Meine Name ist Felix Münter, ich bin relativ frisch dreißig Jahre alt und komme aus dem beschaulichen Dortmund. In meinem Brot-und-Butter Beruf bin ich als Freiberufler unterwegs, arbeite als freier Mitarbeiter bei zahlreichen Trägern in der Region. Studiert habe ich mal angewandte Sozialwissenschaften, aber man entwickelt sich danach ja zwangsläufig weiter. Ansonsten: Nicht verheiratet aber seit über sieben Jahren glücklich in einer Beziehung, keine Kinder.

Ich habe gelesen, dass du Rollenspieler bist. Welche Systeme spielst du denn am Liebsten?

Ich schätze, dass ich so um die 16 Jahre Erfahrung auf dem Buckel haben müsste, vielleicht auch 17. In dieser Zeit lernst du ja eine ganze Menge kennen und probierst dich aus. Tatsächlich behaupte ich immer von mir ein schlechter Spieler zu sein – den Hauptteil der Jahre habe ich als Spielleiter zugebracht und fühle mich damit ziemlich wohl. Aber natürlich gibt es eine Hitlist, wobei es mir selten um das eigentliche System oder die Welt sondern eben die Geschichte, die es zu erzählen und gemeinsam zu erleben gibt, geht. Settings, die mich immer irgendwie begleiten sind Call of Cthulhu, die World of Darkness (alt), Deadlands und seit gut einem Jahr auch Das Lied von Eis und Feuer.

Mit deinen Romanen deckst du ja ein weites Feld ab: Erst Endzeit, jetzt Horror und demnächst Fantasy und SciFi. Welches Genre liest du selbst am liebsten?

Ich muss zugeben, dass das Lesen viel weniger geworden ist, seitdem ich schreibe. Liegt ja auch auf der Hand: Seit meiner Erstveröffentlichung im September 2014 habe ich irgendwie sechs Bücher bis heute geschrieben. Im Schnitt sind das so 2-4 h Schreibarbeit täglich. Da bleibt das Lesen wirklich auf der Strecke. Wenn es aber mal ein Buch ist, dann kommt häufig wohl Fantasy auf den Tisch, klassisch und modern. Steampunk entdecke ich in den letzten Jahren wieder für mich, aber auch alles, was irgendwo im Near-Future-Bereich dümpelt, schau ich mir gerne an.

Was denkst du: Welche Autoren haben dich am meisten beeinflusst?

Die Gretchenfrage, was? Ich muss hier wohl ganz klar David Gemmell nennen. Seine Art, Geschichten zu erzählen, hat mich schon sehr geprägt, ebenso sein Hang zu manchmal eher spartanischer Schreibweise. Ich mag es halt als Leser auch nicht, wenn ein Autor mir auf X Seiten ausbreitet, wie eine Person/Ortschaft/Region aussieht. Gemmell konnte sehr gut beim Wesentlichen bleiben und damit die Fantasie beflügeln. Beeindruckt haben mich weiterhin Joe Haldeman und Chris Bunch. Deutsche Autoren eher weniger – die ließt ja jeder. ;)

Wenn ich deine Homepage richtig interpretiert habe, hörst du gerne Metal. Gerade im Metal gibt es ja viele Storyalben, also Alben die eine Geschichte erzählen. Gibt es aus dieser Richtung auch Einflüsse auf dein Schreiben?

Ich schreibe generell gerne mit Musik im Hintergrund – das muss dann aber Zeug ohne Gesang sein, denn ich habe die Angewohnheit, mich sehr schnell auf Texte zu konzentrieren. Insofern habe ich ein paar Lieblingstücke aber Storyalben beeinflussen mich eher nicht. Dann doch mehr Soundtracks. Es gibt eben Musik zum hören (Metal und Punk) und Musik zum Arbeiten (Soundtracks).

Kommen wir zu Arcadia und deinen anderen Büchern. Arcadia ist ja erschienen, bevor THE RISING abgeschlossen war. Wie kam es dazu?

Das ist eine ganz witzige Geschichte. Kurz, nachdem wir THE RISING veröffentlicht hatten – irgendwann im September 2014 – sprach ich mit meinem Verleger über zukünftige Projekte. Und da kam die Frage auf, ob ich auch andere Genres „kann“. Ich bejahte das und wir waren irgendwie schnell beim Horror-Thema. Eigentlich nur ein kurzer Austausch, und mein Verleger meinte, dass er nach seinem Urlaub noch einmal darüber sprechen sollten. Der gute Mann machte zwei Wochen Urlaub, und ich sah das als Herausforderung. Großspurig sagte ich ihm, dass er mir einfach mal vertrauen soll und ich ihm etwas vorlegen würde, wenn er wieder da ist.
Tja, und dann packte mich der Ehrgeiz. Um es kurz zu machen: Arcadia ist in seiner Urform innerhalb von 12 Tagen herunter geschrieben worden. Ich schickte es also meinem Verleger, der eher mit einem Probekapitel gerechnet hatte und die Geschichte gefiel… na, und dann haben wir sie eben veröffentlicht. Passte auch ganz gut, THE RISING ist eh als eine Reihe mit mehr als nur ein paar Büchern gedacht.

Die aus meiner Sicht größte Stärke von Arcadia sind die Charaktere. Wie viel von dir selbst steckt in den verschiedenen Charakteren?

Böse Zungen behaupten, in Mr. White würde so einiges von mir stecken. Ich weise das gerne zurück, die Wahrheit ist aber, dass es natürlich einfacher fällt, einem Protagonisten eine zynische oder sarkastische Note zu geben, wenn das in einem selbst steckt. Auch so ein paar andere Wesenszüge sind da. Auch ich wollte nach meinem Studium die Welt retten, musste aber einsehen, dass man davon nicht leben kann. Ich glaube auch, Jyrkis Pragmatismus ist zu gewissen Teilen von mir gespeist.

Wenn du für einen Tag mit einem deiner Charaktere tauschen könntest, wer würdest du sein wollen?

Ohne ihre eigentlichen Schicksale zu verraten? Ian (Harker) aus der THE RISING-Reihe. Kenner ahnen, warum und dürfen auch auf die nächsten Bände gespannt sein.

Im Juli erscheint der dritte Band von The Rising. Postapokalyptisch ist nicht gerade mein Lieblingssetting. Warum sollte ich es trotzdem lesen?

Juli ist eine sehr optimistische Schätzung, es wird wohl eher später. Aber das hat nicht so viel mit deiner frage zu tun. Ganz einfach: The Rising hat nicht so viel mit MadMax, Metro, Fallout und Wasteland gemein – abgesehen vom Genre. Es ist einerseits eine Welt, in der es Hoffnung gibt, andererseits ist es ein anderes Katastrophenbild als das der nuklearen Apokalypse (das glaubt doch eh niemand). THE RISING handelt von „Nationbuilding“, dem Aufstieg einer neuen, menschlichen Zivilisation. Der rote Faden wird durch die Charaktere gegeben, die du als Leser über Jahre und Jahrzehnte begleiten wirst. Die Bücher nehmen dich immer wieder mit zu kritischen Momenten in der Geschichte der frischen Zivilisation, schildern diese Ereignisse durch die Augen der Protagonisten. Die Welt verändert sich teils massiv durch die Entscheidungen der Charaktere, nicht immer zum Guten. Das Grundkonzept Hoffnung bleibt aber bestehen, auch wenn die Welt DANACH gerne mal brutal und blutig ist.

Deiner Homepage habe ich entnommen, dass wir uns in naher Zukunft auf einige neue Bücher von dir freuen dürfen: der Abschluss von The Rising, ein weiterer Horror-Einzelband, eine Fantasy-Reihe und dann auch noch SciFi. Was kannst du uns über deine kommenden Bücher erzählen?

THE RISING ist mit dem nächsten Band nicht abgeschlossen. Es ist eine Reihe, die nach aktueller Planung sicher 8 – 10 Bücher füllen kann. Ob das so weit kommt, ist immer eine Frage der Verkaufszahlen. Geschrieben sind aktuell die nächsten zwei Bände.

Ein bisschen Horror erwartet den Leser in LINCOLN COUNTY LOCKDOWN, eine Geschichte um Rüstungskonzerne, das Pentagon, einen Hochsicherheitstransporter und einen Unfall irgendwo in der amerikanischen Provinz. Die Geschichte hat eine Menge unterschiedlicher Blickwinkel und wird sehr szenisch erzählt. Ich verwende hier erstmalig die Ort/Datum-Stempel, die man vielleicht aus Filmen und Serien kennt, um die Geschichte zu ordnen.

Im Bereich Fantasy haben wir ein echtes Großprojekt: Eine Trilogie, deren erstes Band im Oktober erscheinen soll, Band 2 dann wahrscheinlich im Dezember. Der dritte Band ist für das erste Quartal 2016 anvisiert. Die Trilogie firmiert unter dem Namen „IMPERIUM“ und wird sich aufteilen in „Kaisersturz“, „Exil“ und „Wiederkehr“. Im Grunde eine Geschichte um ein sterbendes Kaiserreich und seine Erben. Es ist eine – zumindest zu Beginn – sehr magiearme Fantasywelt, in der es nur Menschen gibt. Keine EDO-Fantasy eben. Die darin vorkommenden Kulturen sind mal mehr, mal weniger stark an irdischen Vorbildern orientiert um einen sofortigen Wiedererkennungseffekt für den Leser zu schaffen. Man darf sich freuen auf eine byzantinische Kultur, eine von Venedig beeinflusste Region, auf die an Schottland angelehnten Clanslande, auf Rumänien und Bulgarien, die Niederlande, Arabien und England.

SciFi wird unter dem Titel Archon laufen. Ich habe gerade angefangen, daran zu schreiben und möchte dazu eigentlich nichts verraten. In 4 -6 Wochen vielleicht, wenn die Rohversion fertig ist. Wer den Begriff allerdings einmal in eine Suchmaschine eintippt, kann im eine Richtung verwiesen werden und eine Ahnung bekommen.

So viele Bücher in so kurzer Zeit und dann auch noch so viele verschiedene Genres - versuchst du gerade der neue Hohlbein zu werden? ;)

Hohlbein hat meines Wissens um die 21 Millionen Bücher unter die Menschen bringen können. Davon bin ich sehr weit entfernt. Mein Output ist aber wohl vergleichbar - zumindest sagte man mir das. Der Punkt ist für mich der: Ich habe im Schreiben genau das gefunden, was ich machen will und von dem ich glaube, es einigermaßen zu können. Die ersten beiden Rising-Bände waren für mich ein Testballon, der offenbar angekommen ist. Also warum nicht weitermachen, mit dem Ziel, zumindest irgendwann einmal ein bisschen davon leben zu können. Ich gebe mich da keinen Illusionen hin, das wird in der nächsten Zeit nicht ohne einen Brot-und-Butter-Job gehen, aber als Fernziel ist das durchaus im Rahmen des Möglichen. Im Moment geht es mir also darum, aus einer 40-50h Woche (reguläre Arbeit, kein Schreiben) mit 5-6 Arbeitstagen 4 Arbeitstage zu machen. Was danach kommt, wird man sehen. Und ja: Dazu muss man mehr als ein Buch auf dem Markt haben und in mehr als in einem Genre schreiben.
Bevor wir zum Ende kommen noch eine letzte Frage, um es dem Nächsten, der dich interviewen darf, leichter zu machen: Welche Frage(n) würdest du gerne mal in einem Interview gestellt bekommen?


Die Klassiker: Ich erzähle immer gerne, wie ich zum Schreiben kam und wie ich generell arbeite. Glaube, das ist für viele ganz spannend zu hören/lesen. 

Ich dabke dir für das Interview!

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