Montag, 8. Juni 2015

[INTERVIEW] Lucy Hounsom

(An English version of the interview can be found here.)

Im Mai diesen Jahres - nur 2 Monate nach der englischen Originalausgabe - erschien Lucy Hounsoms Debütroman "Naris - Die Legenden von Mond und Sonne" im Piper Verlag. Ich hatte das Vergnügen sie als Erster für eine deutsche Internetseite interviewen zu dürfen. (Die Rezension zum Buch findet ihr hier.)


Hallo, Miss Hounsom! Willkommen in der Bibliothek von Imre. Ich freue mich sehr, dass sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Dieses Frühjahr ist ihr erstes Buch - "Naris - Die Legenden von Sonne und Mond" - erschienen. Da sie Buchhändlerin sind, ist es nicht besonders überraschend, dass sie die Idee hatten selbst ein Buch zu schreiben. Wann haben sie mit dem Schreiben begonnen?

Tatsächlich wollte ich schon schreiben, lange bevor ich Buchhändlerin wurde und ich habe mir schon Geschichten ausgedacht, als ich noch sehr jung war. Meinen ersten Fantasyroman habe ich mit 15 fertig gestellt. Damals habe ich mich entschieden, dass ich professionell schreiben will und seitdem arbeite ich darauf hin diesen Traum wahr werden zu lassen.
Wie lang haben sie an "Naris" geschrieben?

Der erste Entwurf hat ungefähr 13 Monate gedauert aber dann habe ich es noch mindestens viermal geändert, bevor es anfing den fertigen Buch zu ähneln.

Stand von Anfang an fest, dass sie Fantasy schreiben würden oder könnten sie sich auch vorstellen in einem anderen Genre zu schreiben?

Für mich sind Schreiben und Fantasy untrennbar miteinander verbunden und ich bezweifel, dass ich in der Lage wäre in einem anderen Genre zu schreiben. Ich habe großen Respekt für die, die in verschiedenen Stilen schreiben können aber nichts begeistert mich mehr als Fantasy und die erstaunliche Vielfalt, die dieses Genre zu bieten hat.

In der Danksagung am Ende von "Naris" erwähnen sie die Autoren, die sie als Teenager inspiriert haben. Wer waren ihre Lieblingsautoren und wer hat sie am meisten beeinflusst?

Robert Jordans frühe "Das Rad der Zeit" Bücher habe ich geliebt - was "Naris" betrifft, waren sie ein riesiger Einfluss. Zu meinen Haupteinflüssen zähle ich auch Tolkien, Robin Hobb, Patricia McKillip, J. K. Rowling, Terry Brooks und David Eddings. 

Ich würde ihr Buch jedem empfehlen, der die Bücher von Trudi Canavan oder Karen Miller mag. Wie empfinden sie diesen Vergleich?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Karens Bücher noch nicht gelesen habe, aber sie klingen nach etwas, das ich lieben würde. Trudi Canavans Trilogie "Die Gilde der schwarzen Magier" hat mir sehr gut gefallen und ich fühle mich sehr geschmeichelt, dass verschiedene Leute unseren Stil für ähnlich befunden haben.

Der deutsche Titel ihres Buches lautet “Naris – Die Legenden von Mond und Sonne”. Den englischen Titel finde ich ein wenig einprägsamer. Wie gefällt ihnen der deutsche Titel?


In der Tat gefällt er mir gut. Er ist sehr poetisch auch wenn er sich weniger auf das zentrale Thema der Trilogie und mehr auf das Magiesystem konzentriert. Zufälligerweise lautete mein Arbeitstitel auch "Naris". Er ist mir also schon vertraut. Indes denke ich, dass "Naris" als Titel in Großbritannien nicht gut  funktionieren würde. Am besten vermeidet man erfundene Wörter als Titel, da sie, wie sie schon sagten, weniger einprägsam sind und es schwieriger ist, sich daran zu erinnern. 

Das deutsche Cover
Das britische Cover


























Die Cover sehen ja sehr unterschiedlich aus. Wurden sie beim Coverdesign einbezogen? Wie gefallen ihnen die Cover?

Ich liebe sie beide. Bei der Gestaltung des deutschen Covers war ich unbeteiligt aber ich bin sehr glücklich über das Ergebnis. Die Fertigstellung des britischen Covers hat viel Zeit in Anspruch genommen und ich hatte das Gefühlt viel beizutragen. Ich habe drei Pinterest "mood boards" erstellt, die hier zu sehen sind, und Notizen über die Charaktere und verschiedene Symbole, die im Text vorkommen, zusammengestellt. Ich war auch beteiligt das Model auszusuchen und ich denke, sie ist die perfekte Kyndra.

Ich habe auf ihrer Internetseite gelesen, dass sie den ersten Entwurf für Band 2 bereits fertig gestellt haben. Gibt es irgendwas, das sie uns schon über Band 2 erzählen können?

Da muss ich vorsichtig sein, da das zweite Buch selbst ein großer Spoiler im Hinblick auf das Ende der Trilogie ist. Aber ich kann sagen, dass die Geschichte gewaltiger ist. Es gibt neue Charaktere und Orte, härtere Kämpfe, sich bekriegende Fraktionen und die Geschichte ist überhaupt viel düsterer. Kyndras Reise ist noch lange nicht zuende.

Was mir an ihrem Buch am besten gefallen hat ist, dass es ein Fantasyroman mit einer starken Protagonistin ist, deren Liebesleben kein Hauptelement der Geschichte ist. Solche Bücher sind selten. Was denken sie: Warum ist das so?

Das ist schwer zu sagen. Die Leute mögen ein wenig Romantik in ihren Büchern und ich bin da keine Ausnahme. (Auch wenn die Romantik in "Naris" die Nebencharaktere betrifft und nicht meine Protagonistin.) Es ist ungewöhnlich eine Frau in einer zentralen Rolle zu finden, deren Liebesleben nicht ein Hauptteil der Geschichte ist aber das ist nicht zwangsweise etwas schlechtes. In meinem Fall war es nicht so, dass ich Romantik vermeiden wollte, sondern es liegt an Kyndras Charakter und ihrer größeren Bestimmung, dass sie fehlt. Außerdem hat sie größere Probleme - zum Beispiel am Leben zu bleiben.

Abschließende Frage: Welche Frage, die ihnen noch nie gestellt wurde, würden sie gerne einmal in einem Interview beantworten?

Ich denke, dass es am meisten Spaß machen würde folgende Frage zu beantworten: Wer ist ihr liebster Lieblingsfantasycharakter aller Zeiten? Ich würde sagen Raistlin Majere aus den "Drachenlanze"-Romanen. Er ist einer der komplexesten Charakteren, die mir je über den Weg gelaufen sind, außerdem ist er trotz seiner dubiosen Moral sofort sympathisch. Seine Inbrunst für die Magie ist eine Reaktion auf sein Gefühl der körperlichen Unzulänglichkeit und seinen tief sitzenden und lange verleugneten Neid im Hinblick auf seinen gut aussehenden Bruder. Auf der Suche nach Macht denkt er nur an sich selbst und bei einer Gelegenheit lässt er seinen Zwilling und und seine Freunde ertrinkend zurück. Obwohl das nicht seine einzige schreckliche Tat ist, kann man nicht anders als ihn zu unterstützen und ihm Erfolg zu wünschen.


Vielen Dank für das Interview!

Vielen Dank!


Kommentare:

  1. Ich bin, was diesen Roman betrifft, äußerst zwiegespalten. Den meisten, denen ich diesbezüglich traue, hat er nicht gefallen und generell scheint es, als gefalle er oder nicht. Deswegen habe ich bisher sogar Angebote, mir das Buch zu leihen ausgeschlagen. Wenn ich aber lese, dass die Autorin ein Fan von Robert Jordan ist (ich verfolge die Serie ja selbst seit vielen Jahrzehnten bzw. habe es, sie wurde ja abgeschlossen) und Du sie zudem mit Karen Miller vergleichst, die ich ebenfalls sehr gerne gelesen habe, die aber ebenso bei den Meinungen polarisiert, werde ich unsicher. Dann ist auch noch Raistlin ihr Lieblingscharakter, den ich auch bei meinen hoch ansiedeln würde (aber über den Narr bei Robin Hobb geht einfach nichts drüber) ... wir scheinen da unheimlich auf einer Wellenlänge zu liegen.
    Das deutsche Cover gefällt mir persönlich nicht so, es wirkt zwar sehr künstlerisch, aber eben wie ein Jungmädchenbuch. Was die Frauencharaktere anbelangt, wäre ich sofort dabei, allerdings gibt es auch dazu bereits so einige andere Meinungen. Das ist zwar immer Auffassungssache, aber ich bin diesbezüglich ja immer extrem kritisch.
    Auf jeden Fall danke für das Interview, kommt sehr sympathisch rüber. Aber ich sage ehrlich: Du bist schuld, wenn ich das Buch doch noch anschaffe und lese ... ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Da kann ich dir leider auch nicht weiter helfen. Dass es mich nicht restlos begeistert hat, hast du ja gelesen, aber gut fand ich es schon.

    AntwortenLöschen