Dienstag, 7. Juli 2015

[INTERVIEW] David Hair

(An English version of the interview can be found here.)
Author David Hair
Der Autor des Moontide Quartet unter "seinem" Straßenschild
Zunächst hat der neuseeländische Autor David Hair Jugend-Fantasy geschrieben. Seine aktuelle Fantasy-Reihe Die Brücke der Gezeiten richtet sich nun auch an erwachsene Leser. Hier findet ihr meine Rezension zu den ersten beiden Bänden und hier die zum aktuellen dritten Band. Mehr über den Autor David Hair könnt ihr im folgenden Interview erfahren.

Hi David! Ich freue mich, dass du Zeit für dieses Interview gefunden hast. Du hast ja schon einige Bücher geschrieben aber für die deutschen Leser bist du noch ein sehr neuer Autor. Stell dich doch bitte kurz vor!
Ich bin Neuseeländer, lebe in Auckland (Neuseeland), bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Früher habe ich im Finanzsektor gearbeitet. Dann habe ich realisiert, dass ich Bücher schreiben will und heute kann ich davon leben. Mein erster Roman, ein Jugend-Fantasy-Roman mit dem Titel The Bone Tiki, hat bei den "New Zealand Children's Book Awards" den Preis für das beste Debüt gewonnen und hat mittlerweile fünf Nachfolgebände. Außerdem habe ich die Return of Ravana-Reihe geschrieben, deren erster Band Pyre of Queens (kürzlich neu aufgelegt als The Pyre) den "New Zealand Librarian's national award" gewonnen hat und eine Fantasy-Reihe für erwachsene Leser: The Moontide Quartet (auf deutsch: Die Brücke der Gezeiten).

Bislang hast du für jüngere Leser Fantasy-Geschichten geschrieben, die in unserer Welt spielen. Die Brücke der Gezeiten spielt in einer erdachten Welt und richtete sich an erwachsene Leser. Warum diese Veränderung?
Eigentlich wollt ich schon immer für die breite Masse schreiben und nicht speziell für jüngere Leser. Als ich aber mit dem Schreiben anfing, passte meine erste Idee (The Bone Tiki) besser zu einem jugendlichen Protagonisten und so wurde ein Jugendbuch daraus. So kam es, dass ich jetzt mein Schreiben zwischen Jugendbüchern und Büchern für Erwachsene aufteile.

Bislang haben sie nur Fantasy geschrieben. Könnten sie sich auch vorstellen ein anderes Genre zu schreiben?

Vermutlich historische Romane, da ich Geschichte studiert habe. Ich habe tatsächlich gerade den ersten Entwurf eines historischen Romanes, der im Ersten Weltkrieg spielt, fertig gestellt. Ein neuseeländischer Kinder- und Jugendbuchverlag hatte sich an fünf neuseeländische Jugendbuchautoren, einschließlich mir, gewandt und nach einem Jugendroman zu einem speziellen Thema zur Zeit des Ersten Weltkriegs gefragt. Mein Thema war das neuseeländische (Maori) Pionierkorps, eine nicht kämpfende Logistikeinheit, und ihre Aktivitäten während Schlacht an der Somme im Jahr 1916. Das Buch wird 2016 erscheinen. Es war eine echte Herausforderung keine Fantasy zu schreiben - meine Charaktere mussten ohne Magie am Leben bleiben und ihre Probleme lösen.

Die Brücke der Gezeiten wurde im Original von Anfang an als Tetralogie vermarktet. Bedeutet das, dass sie von Anfang an eine genaue Vorstellung hatten, was in welchem Band passieren würde?

Als ich die Reihe bei Jo Fletcher Books eingereicht habe, hieß sie tatsächlich noch The Moontide Series. Jo änderte den Titel während der ersten Überarbeitungen auf Quartet; eine Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe. Ich hatte mir nie vorgestellt mehr als vier Bände zu schreiben und hatte einen sehr genauen Plan, was in jedem Band passieren würde. Die Serie hat ein geschlossenes Ende. Am Ende des letzten Buches, das schon geschrieben ist, sind alle wesentlichen Fragen bezüglich der Hauptstory beantwortet.

Wie arbeiten sie beim Schreiben grundsätzlich?

Ich beginne mit einem Konzept und einer Folge von wichtigen Szenen und erarbeite daraus die übergreifende Erzählung. Dann erarbeite ich die Schritte, die notwendig sind, um zu diesen Szenen zu kommen und mache daraus das Exposé. Daraus wird dann der Kapitelplan, den ich dann zur vollen Geschichte ausschmücke.

Kommen wir zur Brücke der Gezeiten. Auf ihrere Internetseite beschreiben sie die Geschichte als "Ost-trifft-West". Offensichtlich teilt ihre Welt ihre Welt viele Konflikte mit der realen Welt. Wieviel wollen sie ihren Lesern über die reale Welt sagen?

Obwohl viele Orte und Völker auf Urte, der Welt in der Die Brücke der Gezeiten spielt, auf der realen Welt basieren, ist die Situation auf Urte doch recht unterschiedlich zu unserer modernen Welt und näher an der Zeit der Kreuzzüge. Ich will nichts über konkrete, aktuelle Probleme (ISIS, Afghanistan, militärische Interventionen) sagen, sondern einen Konflikt beschreiben, zu dem der Leser leicht einen Bezug herstellen kann. Als ich die Bücher geschrieben habe, lebte ich in Indien. Das war zur Zeit der Anschläge von Mumbai. Einige der Bomben explodierten auf Märkten, die ich regelmäßig besucht habe. "Ost-trifft-West"-Probleme waren also für mich an der Tagesordnung. Es war mir sehr wichtig, dass es in meiner Geschichte auf beiden Seiten Helden und Bösewichte gibt und dass das wahre Böse der Krieg selbst, sowie die kulturelle, religiöse und rassische Bigotterie ist.

Für die deutsche Ausgabe wird jedes Buch in zwei Bücher aufgeteilt. Ich weiß, dass in manch anderen Fällen, extra Kapitel geschrieben wurden, damit das Aufteilen besser funktioniert. Wie war es in diesem Fall? Waren sie irgendwie in das Aufteilen involviert?

Als ich den ersten Band geschrieben habe, habe ich nicht erwartet, dass das Buch jemals übersetzt würde und hatte keine Vorstellung, dass es dafür vielleicht nötig würde, das Buch aufzuteilen. Das war eine Überraschung für mich. Zum Glück hat das Buch eine passende Pause ziemlich genau in der Mitte, die sich zum Aufteilen angeboten hat. Es war nicht notwendig extra etwas zu schreiben.

Nachdem ich von den Übersetzungen erfahren hatte, habe ich angefangen einen "Aufteilpunkt für Fremdsprachen" in meinen Kapitelplan zu integrieren. Band 2 war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon abgeschlossen und ich schrieb gerade an Band 3. Wie man Band 2 aufteile sollte, war die schwierigste Entscheidung, da das Buch keine natürliche Pause in der Mitte hat.

Wie empfinden sie es grundsätzlich, wenn ein Buch aufgeteilt wird? Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich viele Gedanken über die Struktur, die Spannungsbögen und so weiter machen und all das ist nach dem Aufteilen ja im Prinzip hin, oder nicht?

Ja, genau wie sie sagen entstehen dadurch strukturelle Probleme und Probleme mit dem Erzähltempo, vor allem bei einem langen Roman, bei dem man die Beschreibung der Welt und der Charaktere tendenziell in die erste Hälfte packt. Nach dem Aufteilen hat man dann zwei sehr unterschiedliche Bände. Hoffentlich erscheinen die Bände dann in kurzer Folge, so dass die Leute sie kurz nach einander lesen können.

Außerdem hoffe ich, dass deutsche Fantasyfans das Problem kennen und das beim Lesen berücksichtigen. Außerdem denke ich, dass Fans von epischer Fantasy geduldiger sind, wenn es um Weltbeschreibungen geht, als Fans anderer Genres, da das Eintauchen in eine imaginäre Welt ja zu den Vergnügungen des Genres gehört. 

Die deutschen Cover unterscheiden sich ja stark von der Originalausgabe. Wie gefallen ihnen die deutschen Cover?

Sie gefallen mir sehr gut! Anders als bei den englischen Covern, auf die ich viel Einfluss hatte, lag die Verantwortung für die deutschen Cover komplett beim deutschen Verlag. Ich denke es ist eine faszinierende Mischung aus Kunst und Geometrie und ich bin schon auf die weiteren Cover gespannt.

Für mich haben sich die beiden ersten Bände sehr ähnlich zu Das Lied von Eis und Feuer angefühlt: Viele glaubwürdige Charaktere, viel Politik und Intrigen, eine komplexe Welt mit verschiedenen Kulturen und eine Geschichte, die einen kompletten Kontinent (oder in diesem Fall sogar zwei) abdeckt. Der dritte deutsche Band fühlte sich deutlich anders an. Dadurch, dass so viele Charaktere "reisen", fühlte es sich mehr nach klassischerer Fantasy an. Wohin entwickelt sich die Geschichte?

Das erste Buch enthielt notwendigerweise am meisten Weltbeschreibung. Ich musste eine komplette neue Welt mit einer einzigartigen Geopraphie und Geschichte beschreiben, ein komplexes Magiesystem erklären und die unterschiedlichen, verschlungenen Handlungsstränge einführen. Jetzt, da das passiert ist, kann die Geschichte in den folgenden Bänden schneller voran schreiten. Die Geschichte schreitet also immer schneller voran und das letzte Buch ist voll mit großen Höhepunkten, in denen die verschiedenen Handlungsstränge zu einer Lösung kommen.

Auf ihrer Internetseite erwähnen sie eine neue Reihe (Lodestar Quartet), die ab 2016 veröffentlicht werden soll. Können sie uns darüber schon etwas erzählen?

Da das Moontide Quartet so gut ankam, hat Jo Fletcher Books mich gefragt, ob ich noch eine Idee für eine Geschichte in der selben Welt hätte. Die hatte ich. Also habe ich ein Exposé für eine Reihe geschrieben, die die nächsten sechs Jahre nach dem Mooontide Quartet abdeckt. Die Charaktere sind hauptsächlich neu (obwohl auch ein paar alte Bekannte auftauchen werden) und auch die Geschichte ist eine neue. Die Geschichte vom post-mondflut Urte. Oh, der Arbeitstitel ist mittlerweile Sunsurge Quartet. (Sunsurge ist im Mondkalender von Urte die genau entgegen gesetzte Phase zur Mondflut. Gekennzeichnet ist sie durch Hochsee, Überschwemmungen und klimatische Extreme.)

Abschließende Frage: Welche Frage, die ihnen noch nie gestellt wurde, würden sie gerne einmal in einem Interview beantworten?

Wie wäre es mit: "David, waren sie schon einmal in Deutschland?"

Danke, dass sie fragen. Ja, als ich 20 war aber das ist schon lange her. Ich war in Bayern und habe hauptsächlich die typischen Touristendinge gemacht. Ich hatte damals wenig Geld und habe mit einem Freund zusammen gecampt. Wir hatten eine tolle Zeit und ich würde gerne noch einmal mit einem größeren Budget zurück kommen.

Danke für das Interview!

Es war mir ein Vergnügen. Danke, dass sie mich kontaktiert haben!

Kommentare:

  1. Hey,
    sehr interessantes Interview, da bekomm ich gleich noch mehr Lust, die Reihe endlich weiter zu lesen :D Und ich werd auch gleich mal nach seinen anderen Büchern Ausschau halten, ob die mich interessieren könnten (auch wenn ja eigentlich nicht so der Englischleser bin ^^)
    LG Steffi

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    1. Ich werde mir viellicht nächstes Jahr das im Ersten Weltkrieg angesiedelte Buch anschauen aber das neuseeländische Setting bei den anderen reizt mich irgendwie sehr wenig...

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    2. Ich muss mir erstmal die Klappentexte anschauen :D Aber das im ersten Weltkrieg klingt auch ganz interessant. Weißt du zufällig, ob Randomhouse von seinen anderen Büchern auch Übersetzungen plant?

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    3. Ich vermute, dass er das erwähnt hätte, wenn es so wäre aber ich frage ihn nochmal.

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    4. Er geht davon aus, dass Moontide/Brücke der Gezeiten komplett übersetzt wird und dass es bei der Fortsetzung Sunsurge vom Erfolg der Moontide-Bücher abhängen wird. Von Plänen seine Jugendbücher zu übersetzen, weiß er nichts.

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    5. Okay, dann weiß ich erstmal Bescheid. Danke fürs Nachfragen :)

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  2. Hey!
    Ein spannendes Interview. Generell lese ich total gerne Interviews mit Autoren, von denen ich noch nichts gelesen habe.
    Da bekommt man dann irgendwie eine persönliche Verbindung zu.
    Wie gesagt, gelesen habe ich noch nichts von ihm, aber die Moontide-Saga klingt interessant!
    Ich werde mir mal deine Rezensionen angucken und sehen, wann ich mal wieder Zeit und Lust habe High-Fantasy zu lesen ;)

    Liebe Grüße,
    Lena von Tiny Hedgehog

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    1. Ein bisschen Zeit solltest du für die acht Bände wohl wirklich einplanen...

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