Donnerstag, 16. Juli 2015

[REZENSION] Das grüne Rollo


Titel: Das grüne Rollo
Autor: Heinrich Steinfest
Verlag: Piper
Format: gebunden mit Schutzumschlag
weitere Ausgaben: eBook
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Phantastik
Seitenzahl: 288
Preis: € 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 26,90
ISBN: 978-3-492-05661-8

Leseprobe: keine



Heute gibt es wie bereits mehrfach angekündigt, eine weitere Coop-Rezension. Zusammen mit Key von den Lesekatzen habe ich Heinrich Steinfests aktuellen Roman Das grüne Rolle gelesen.

Der Autor

Heinrich Steinfest
Heinrich Steinfest ist ein österreichischer Autor, der vor allem für seine bizarren Krimis berühmt ist. 2004, 2006, 2008 und 2009 hat er den Deutschen Krimi Preis gewonnen. 2014 war er mir seinem Roman Der Allesforscher für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Das Buch

Das grüne Rollo handelt von Theo, dem mehrfach ein grünes Rollo erscheint. Die Geschichte gliedert sich in drei Teile, wobei der dritte Teil sehr kurz und nach Aussage Steinfests in einem TV Interview rein optional ist. Im Buch ist diese Optionalität lediglich dadurch gekennzeichnet, das der letzte Teil "Der womöglich dritte Teil" genannt wird. Werfen wir einen etwas ausführlicheren Blick auf die drei sehr unterschiedlichen Teile.

Der erste Teil (mein Leseeindruck)

Der erste Teil handelt vom 10jährigen Theo, dem eines Nachts um 23:02 - plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung - ein grünes Rollo in seinem Zimmer erscheint. Das Rollo erscheint aber nicht nur einmal, nein, es erscheint jede Nacht pünktlich und zur gleichen Zeit. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das Muster auf dem Rollo als ein bewegtes Bild. Als Theo sich das Ganze näher ansehen will, wird er plötzlich ins Rollo hinein gezogen und findet sich in einer merkwürdigen grünen Welt wieder.

In gewisser Hinsicht ist Theos Abenteuer, das in unserer Welt beginnt und und in der grünen Welt seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, ein sehr typisches Kinder- bzw. Jugendbuchabenteuer. Die Parallelen zu Geschichten wie Alice im Wunderland oder den Chroniken von Narnia sind nicht von der Hand zu weisen. In vielerlei Hinsicht, ist es aber eine ganz andere Geschichte. Zum einen ist die grüne Welt weniger phantastisch, als die Welten der beiden zuvor genannten Bücher. Wobei das so auch nicht stimmt. Sie ist weniger offensichtlich phantastisch. Es gibt nichts was an sprechende Hasen mit Taschenuhren heranreichen würde. Auf den ersten Blick ist die Welt, bis auf das grüne Licht, relativ normal. Aber halt nur auf dem ersten Blick... Außerdem ist der gesamte Ton der Erzählung anders. Theo erzählt die Geschichte als Ich-Erzähler aber nicht der 10jährige Theo erzählt, sondern der erwachsene Theo. Die Kombiation aus kindlicher und erwachsener Sicht ist sehr gelungen.

Der zweite Teil (Keys Leseeindruck)

"Dieses Buch mag keinen unpünktlichen Hasen haben, aber dafür gibt es im zweiten Teil des Werkes eine Katze, die man - scheint’s - hervorragend in den Pullover stopfen kann.

Teil 2 besticht durch Kürze und viele weitere interessante Details wie die „villa malaparte“. Ich halte dieses Stück jedoch nicht für den schlechteren Teil der dreien. Bis zum 20. Kapitel hab’ ich viel die Stirn gerunzelt, überhaupt habe ich sehr oft etwas ratlos dreingeschaut bei der Lektüre. Weil es hier unglaubliche viele Spekulationsmöglichkeiten gibt.

Mein Lieblingssatz ist auch hier zu finden: „Es gibt eine große Schönheit der Unterlassung“. (S.190)

Deshalb erleben wir nun mit Theo zusammen die Seite seines erwachsenen Lebens aus der Sicht des reifen Mannes, der heiratet, sich mit den Kindern arrangiert, sich scheiden lässt … alles grün. Steinfest kredenzt ein normalisiertes Leben mit einem extravaganten Werdegang, den der Protagonist da beruflich einschlägt. Aber keine Bange, das Universum verliert Nichts, laut Theo und deshalb taucht was wieder auf? - Yep. Und wie eine inhaltliche Spiegelung werden die Stationen 'Im Grünen' noch einmal durchlaufen."
Der dritte Teil 

Da Keys und mein Eindruck hier durchaus auseinander gehen, möchte ich euch beide präsentieren. Beginnen wir mit Key:


"Nur weil etwas optional ist, muss man es nicht mitnehmen! Dieser Teil hat zwar so gut wie alle offenen Fragen geklärt, war schlüssig und logisch, ABER er hat der ganzen grünen Geschichte auch komplett den Zauber geraubt. Das fühlte sich an wie rückwirkend gespoilert werden. Schlußendlich denkt man sich mit einem Hammer auf den Kopf gehauen worden zu sein, da das kein sehr angenehmes Gefühl ist, hätte ich dieses Stück lieber NICHT gelesen."
Diesen Eindruck, kann ich gut verstehen und ein bisschen ging es mir genau so. Aber obwohl der dritte Teil die ersten beiden komplett entzaubert, muss man doch anerkennen, dass er eine sehr gute und bis ins kleinste Detail nachvollziehbare Erklärung für alles, was vorher geschah, bietet. Wer Phantastik mag, sollte auf den dritten Teil verzichten. Für diejenigen, für die überzeugende Auflösungen das A und O sind, ist der dritte Teil durchaus eine gute Option.

Fazit

Das grüne Rollo ist ein intelligentes und unterhaltsames Jugendbuch für Erwachsene.

Wertung: 4,5/5 Sternen

Das Foto von Heinrich Steinfest wurde von Harald Krichel aufgenommen und wird unter der CC BY 3.0 Lizenz verwendet.


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