Mittwoch, 22. Juli 2015

[REZENSION] Moral für Dumme - Das Elend der Politischen Korrektheit


Titel: Moral für Dumme - Das Elend der Politischen Korrektheit
Autor: Marius Jung und Oliver Domzalski
Verlag: Carlsen
Format: Taschenbuch
weitere Ausgaben: eBook
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Essay, Humor
Seitenzahl: 192
Preis: € 11,99 [D] | € 12,40 [A] | CHF 17,90
ISBN: 978-3-551-68358-8

Leseprobe: keine



"Moral für Dumme - Das Elend der Politischen Korrektheit" ist - so der Klappentext - eine "satrisch-polemische Abrechnung" mit der politischen Korrektheit.

Die Autoren

Auf dem Cover wird Marius Jung als Autor benannt. Marius Jung wurde 1965 in Trier geboren und lebt heute in Köln. Er ist Kabarettist, Schauspieler, Moderator und Coach.

Die Autorenangabe im Buch lautet jedoch "Marius Jung mit Oliver Domzalski". Oliver Domzalski wurde in Berlin geboren, ist promovierter Historiker und leitet bei Carlsen den Programmbereich "Humor und Geschenkbuch.

Blättert man dann das Buch durch, so findet man bei vier von zwanzig Kapiteln die Angabe "Von Marius Jung". Die restlichen sechzehn Kapitel kommen ohne Angabe eines Autoren daher, stammen
also offenbar aus der gemeinsamen Feder der beiden Autoren. Schaut man sich allerdings den Stil dieser Kapitel an, so liegt der Verdacht nahe, dass Oliver Domzalski mehr zu diesen Kapiteln beigetragen hat als Marius Jung!.

Der Inhalt

Carlsen ordnet das Buch sowohl der Sparte "Humor & Comedy" als auch der Sparte "Geschichte und Gesellschaft" zu. Das ist durchaus passend, da sich der Fließtext (ungefähr 50% des Buches) sehr ernsthaft mit dem Thema Politische Korrektheit (PC) auseinandersetzt, während die zahlreichen Einschübe satirisch-überspitzte Beispiele für PC liefern.

Der essayistische Fließtext beschäftigt sich zum einen damit, welche Formulierungen heute als politisch korrekt gelten und zum anderen mit der Frage, warum neue Formulierungen nicht ausreichen, um die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verändern. Dabei geht es schwerpunktmäßig um das Thema Gender, also darum, wie man sprachlich anzeigt, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen gemeint sind und um die unvermeidliche Folgefrage, ob diese zweigendernde Sprache nicht genau so diskriminierend ist, da sie alle Personen ausschließt, die sich nicht einem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen.

Der Fließtext wird von zahlreichen Kästen unterbrochen, in denen die Autoren humorvoll darstellen, wohin ein konsequenter Gebrauch der PC führt. Zum Beispiel gibt es ein Quiz mit politisch korrekten Buchtiteln. Na, welche Bücher sind gemeint (S. 137)?

  • Emil/ia und die nachforschenden Personen
  • Ronja, Nachkomme von Personen, die Vermögensdelikte begehen
  • Die vertikal benachteiligte Muckperson
Meine Meinung

Der essayistische Fließtext ist wirklich interessant zu lesen. Obwohl PC für mich kein neues Thema ist, waren mir doch nicht alle "Auswüchse" bekannt. Insbesondere die ersten Kapitel zum Thema Gender fand ich sehr spannend zu lese. Die zweiten Hälfte habe ich dann aber schon als weniger spannend empfunden, da sich viele Aussagen einfach nur an anderen Beispielen wiederholen. 


Mit dem Humorteil konnte ich nur wenig anfangen. Ja, die überspitzten Darstellungen sind sehr aussagekräftig und eins, zwei Darstellungen waren auch witzig aber da die Idee im Prinzip immer die selbe ist, hätten einige wenige solcher Seiten auch ausgereicht.

Fazit

Oliver Domzalski und Marius Jung stellen die Problematik der Politischen Korrektheit in vielen Facetten nachvollziehbar dar. Das Buch ist ein eindrucksvolles Plädoyer dafür respektvoll miteinander umzugehen und weniger auf korrekte Begrifflichkeiten zu achten. Dabei ist der Humorteil, wenn auch bestimmt verkaufsfördernd, allerdings wenig hilfreich.

Wertung: 3,5/5 Sternen 

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