Dienstag, 28. Juli 2015

[REZENSION] Schatten über Innsmouth


Titel: Schatten über Innsmouth
Originaltitel: Shadows over Innsmouth
Autorin: Stephen Jones (Hrsg.)
Übersetzer: diverse
Verlag: Festa
Format: Paperback
weitere Ausgaben: eBook
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Horror
Seitenzahl: 592
Preis: € 13,95 [D]
ISBN: 978-3-86552-322-8

Leseprobe: hier

Schatten über Innsmouth ist eine Anthologie zum Cthulhu-Mythos.

Im Mittelpunkt des Buches steht Lovecrafts klassische Meistererzählung Der Schatten über Innsmouth. In der Geschichte geht es um Innsmouth - eine kleine Hafenstadt in Neuengland - in der ein finsterer Kult den Meeresgott Dagon anbetet. Diese Geschichte hat viele Autoren inspiriert. Stephen Jones, der in England einer der bekanntesten Herausgeber von Horror und Fantastik ist, hat für diesen Band Geschichten von britischen Autoren gesammelt, die die Geschichte um Innsmouth weiterspinnen. Unter diesen Autoren sind bekannte Größen wie Neil Gaiman, Brian Lumley, Basil Copper und Ramsey Campbell aber auch unbekanntere Autoren.

Überblick über die Geschichten

Der Schatten über Innsmouth (H. P. Lovecraft)
In Lovecrafts Klassiker geht es um einen Mann, der auf der Durchreise unfreiwillig in Innsmouth stecken bleibt und hinter das Geheimnis des Ortes kommt. Aber nicht nur hinter dieses Geheimnis...
Die Geschichte ist keine ganz typische Lovecraft-Geschichte. Während viele seiner Geschichten sehr ruhig sind und langsam einen kosmischen Schrecken aufbauen, ist diese vergleichsweise actionreich. Dadurch ist sie aber nicht weniger erschreckend.

Das Geheimnis von Innsmouth (B. Copper)
Die Geschichte spielt kurz nach den Ereignissen aus „Der Schatten über Innsmouth“. Die Handlung findet größtenteils nicht in Innsmouth, sondern hauptsächlich in Arkham statt, genauer gesagt in der Miskatonic University. Dort kommt es zu einer Reihe seltsamer Vorkommnisse, die offenbar mit Tunneln unter der Universität zu tun haben...
Diese Geschichte ist eher spannend als erschreckend.

Der große Fisch (J. Yeovil)
Die dritte Geschichte spielt in den 1940ern weit entfernt von Innsmouth. Es handelt sich um eine sogenannte hardboiled detective story. Auf der Suche nach einer vermissten Person bekommt es der Ermittler mit der aus Lovecrafts Geschichte bekannten Janice Marsh, die mittlerweile Filmstar ist, und dem Esoterischen Orden von Dagon zu tun, der mittlerweile auch außerhalb Innsmouths vertreten ist.

Zurück nach Innsmouth (Guy N. Smith)
Die vierte Geschichte ist eine sehr direkte Hommage an Lovecarfts Original. Geschildert wird die Geschichte eines jungen Mannes, Verwandter von berühmten Bewohnern der Stadt, der Innsmouth einmal mit eigenen Augen sehen will. Eine sehr gelungene kleine Erzählung, deren Ende meines Erachtens aber nicht so recht passt.

Die Schwelle (Adrian Cole)
Ein erwachsener Mann bekommt eine Postkarte, die scheinbar von seinem, ihm unbekannten Vater stammt, und macht sich auf die Suche. Diese führt ihn ans Meer… Der Rest ist im Rahmen dieser Anthologie relativ vorhersehbar aber im Detail doch überraschend.

Bis auf die Stiefel (D.F. Lewis)
Auf gerade einmal 5,5 Seiten schildert der Autor das Leben einer Frau in den Marschen.

Die Kirche in der Highstreet (Ramey Campbell)
Ein Mann begibt sich auf die Suche nach einem verschollenen Freund, der sich zuvor mit diversen okkulten Quellen beschäftigt hatte. Alle Spuren führen zu einer alten Kirche. Campbell zeigt - wie immer - dass er nicht nur Lovecrafts Themen, sondern auch seinen Stil beherrscht. Lediglich den Bezug zu Innsmouth konnte ich nicht entdecken.

Das Gold von Innsmouth (David Sutton)
In der achten Geschichte begibt sich ein Mann auf eine Expedition zum mittlerweile verlassenen Innsmouth, um dort nach dem verstecktem Gold zu suchen, das es seiner Meinung nah dort noch immer geben müsse. Auch diese Geschichte ist über weite Strecken eher spannend als gruselig.

Daoine Domhain (Peter Tremayne)
1991 – 63 Jahre nachdem die Marine das Riff vor Innsmouth zerstört hat – erhält ein junger Mann einen Brief seines Großvaters, der nach dessen Tod zugestellt werden sollte. Darin berichtet dieser, dass er an der damaligen Militäraktion beteiligt war und wie er später in Irland mehr über die Hintergründe erfahren hat. Spannend, unvorhersehbar und mit einer typischen lovecraftschen Wendung am Ende.

Viertel vor drei (Kim Newman)
Eine sehr kurze und eher humorvolle Geschichte aus einer Bar in 'Mouth.

Das Grab von Priscus (Brian Mooney)
Im Mittelpunkt der elften Geschichte stehen die archäologischen Ausgrabungen eines römischen Grabes in einem britischen Grabhügel. Die Geschichte ist vom Stil her nahe an denen Lovecrafts: Über weite Strecken eher spannend aber am Ende steht kosmischer Schrecken.

Das Innsmouth-Syndrom (Brian Stableford)
In dieser Geschichte geht es mal wieder direkt nach Innsmouth. Nach den Ereignissen von 1927/28 wurde Innsmouth wieder aufgebaut und heute glaubt eigentlich niemand mehr, dass damals unnatürliche Dinge geschehen sind. Nun versucht ein Genetiker herauszufinden, was es mit den Deformationen der Bewohner auf sich hat.

Die Heimkehr (Nicholas Royle)
Die dreizehnte Geschichte spielt im Rumänien des Jahres 1989 kurz nach dem Sturz Ceausescus. In dieser sehr ungewöhnlicher Geschichte vergleicht die Protagonisten immer wieder die Securitate mit den tiefen Wesen und nennt Ceausescu den großen Alten...

DEEPNET (David Langford)
In dieser Geschichte hat sich Innsmouth komplett anders entwickelt und beheimatet im Jahr 1990 eines der weltweit führenden Softwareunternehmen.

Blick aufs Meer (Michael Marshall Smith)
Ein Pärchen wandert die englische Küste entlang und stößt erst auf auf seltsame Zeichen und dann auf eine kleine Ortschaft in der am nächsten Tag ein „Festival“ stattfinden soll.

Dagons Glocke (Brian Lumley)
Die sechzehnte Geschichte spielt nicht in Neuengland sondern in England. An der Küste passieren viele kleine, seltsame Dinge, die zunächst nicht wirklich bedeutsam erscheinen, sich aber schließlich zu einem großen, üblen Bild zusammenfügen.

Bloss mal wieder das Ende der Welt (Neil Gaiman)
Neil Gaiman wäre nicht Neil Gaiman, wenn er nicht die sonderbarste Geschichte beigesteuert hätte. Mehr möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht verraten.

Im Anschluss an die Erzählungen werden dann noch die Autoren auf jeweils einer Seite vorgestellt.

Meine Meinung

Üblicherweise ist es bei Anthologien ja so, dass von richtig gut bis richtig schlecht alles dabei ist. Ganz so extrem ist es hier nicht. Für meinen Geschmack war etwa die Hälfte der Geschichten gut bis sehr gut und der Rest immer noch mindestens durchschnittlich. Neben Lovecrafts Meisterwerk, das ich natürlich schon kannte aber mit Vergnügen noch einmal gelesen habe, hat mich Daoine Domhain von Peter Tremayne am meisten begeistert.

Das einzige echte Manko an dieser Anthologie ist, dass die Geschichten, die nicht von Anfang an einen starken Innsmouth-Bezug haben, darunter leiden, dass auf Grund des Themas des Buches klar ist, dass sie am Ende einen bekommen werden, dass sie also vorhersehbarer werden, als sie von sich aus sind.

Fazit

Schatten über Innsmouth ist eine großartige Anthologie zum Cthulhu-Mythos. Die Erzählungen sind teilweise spannend, teilweise erschreckend und sehr oft im Stil Lovecrafts geschrieben. Absolute Leseempfehlung für Fans von klassischem Horror.

Wertung: 4,5/5 Sternen

Kommentare:

  1. Hi!

    Schatten über Innsmouth ... da hab ich mal ein Buch gelesen - aber wenn ich grad sehe, wie viele Kurzgeschichten hier drinstecken, kann das eigentlich nicht die Kurzgeschichte sein, die hier mit drin ist, oder?
    Es war jedenfalls von H. P. Lovecraft, jemand hatte mir den Autor empfohlen - ich war allerdings nicht ganz so begeistert von dem Buch. Da ist der Funke leider nicht übergesprungen ...

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Doch, doch die Titelgeschichte gibt es auch als eigenständiges Buch. Schade, dass dir HPL nicht zugesagt hat. Ich würde ja fast sagen, dass du ihm noch eine Chance geben solltest aber diese Geschichte ist schon eine seiner besten und wenn sie dir nicht gefallen hat, werden dir die anderen wohl auch nicht gefallen...

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