Sonntag, 4. Oktober 2015

[INTERVIEW] Bernd Perplies


Vor drei Wochen ist mit Frontiersmen - Höllenflug nach Heaven's Gate (Rezension) der erste Roman von Wes Andrews erschienen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der bekannte (Fantasy)Autor Bernd Perplies. Im Interview spricht er über das Pseodonym, das Buch und sein sonstiges Schaffen.


Hallo Bernd, herzlich willkommen in der Bibliothek von Imre. Ich habe ja mittlerweile einige Bücher von dir gelesen, aber wahrscheinlich bist du nicht jedem, der dieses Interview lesen wird, so bekannt wie mir. Stell dich doch bitte einmal kurz vor!

Mein Name ist Bernd Perplies, ich bin Jahrgang 77 und in Wiesbaden geboren und aufgewachsen. Nach dem Studium – Filmwissenschaft und Germanistik in Mainz – habe ich einige Jahre als Redakteur von filmportal.de (eine Website, die sich mit dem deutschen Film von seinen Anfängen bis heute beschäftigt) im Deutschen Filminstitut in Frankfurt am Museumsufer gearbeitet. Parallel dazu habe ich immer schon für Genre-Magazine (Kennt noch jemand die Space View?) Artikel verfasst und Bücher übersetzt. Und schließlich kam das Schreiben von Romanen dazu, das ich seit mittlerweile fast zehn Jahren betreibe.

Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?


Ich habe schon immer gerne Geschichten erfunden. Früheste Fantasy-Erzählungen datieren tatsächlich bis in die Grundschule zurück. Und in der Mittelstufe habe ich meine Familie regelmäßig mit Kurzgeschichten erfreut. Dass es so lange gedauert hat, bis ich endlich meinen ersten Roman zu Papier gebracht habe, hängt wohl vor allem damit zusammen, dass ich jahrelang nicht das Sitzfleisch hatte, um 300 und mehr Seiten zusammenhängenden Text niederzuschreiben. Doch der Traum, Autor zu werden, war irgendwie immer da. Und Mitte 2006 schien für mich der Zeitpunkt gekommen. Denn zum einen nahte mein 30. Geburtstag, also diese magische Grenze, die einem fortwährend einflüstert: „Tu was! Verwirkliche deine Träume jetzt! Oder lass es die nächsten 30 Jahre sein und such dir einen ordentlichen Job.“ Zum anderen flatterte mir die Einladung zu einem Schreibwettbewerb ins Haus, für den man einen phantastischen Roman verfassen sollte. Also sagte ich mir: „Verdammt, du wolltest schon immer einen Roman schreiben – und nie hast du es geschafft. Jetzt aber!“ Und dann habe ich und mich hingesetzt und es getan. Das Ergebnis war
Tarean – Sohn des Fluchbringers (der übrigens am Ende bei einem völlig anderen Verlag erschienen ist), und der Erfolg dieses Buchs hat mich darin bestärkt, dem eingeschlagenen Pfad weiter zu folgen.
War von Anfang an klar, dass du Phantastik (Fantasy und SciFi) schreiben würdest oder gibt es noch ein Genre, das du dir für dein schriftstellerisches Schaffen vorstellen könntest?
Vorstellen kann ich mir eine Menge, aber im Grunde schlägt mein Herz für die Phantastik und solange ich Projekte in diesem Bereich verwirklichen kann, werde ich das auch weiter tun – auch wenn ich vermutlich mehr Geld mit Thrillern oder Regionalkrimis verdienen könnte.

Lass uns zumindest kurz auf dein neues Pseudonym eingehen. Wie kam es dazu?

Ganz einfach: Massenmarkt-Science-Fiction-Romane sind eine Domäne der englischsprachigen Autoren. Stephen Baxter, Arthur C. Clarke, David Weber, Peter F. Hamilton, Neal Asher, Jack Campbell, David Brin, Alan Dean Foster ... diese Männer beherrschen die Regale in den Genre-Ecken der Buchhandlungen. Offenbar lieben deutsche Leser SF aus dem angloamerikanischen Raum. Deutsche Autoren sucht man dagegen neben Andreas Brandhorst und Andreas Eschbach (und jenseits der lebhaften Kleinverlagsszene) so gut wie vergeblich. Aus diesem Grund beschlossen Bastei Lübbe und ich zu Beginn der Projektphase von Frontiersmen, erstmals in meiner Karriere mit einem Pseudonym zu arbeiten. Um das spontane Zugreifen des Gelegenheitslesers zu erleichtern. Denn mal ehrlich: Wer greift – in Unkenntnis meiner Person – nach dem Buch eines „Bernd Perplies“, wenn er eins von einem „Wes Andrews“ haben kann?

Du hast ja schon viele SciFi-Romane übersetzt und zu einigen Reihen (Perry Rhodan und Battletech) beigetragen. Frontiersmen- Höllenflug nach Heaven's Gate ist nun aber dein erster eigener SciFi-Roman. Ist es schwieriger SciFi zu schreiben als Fantasy? Immerhin muss die futuristische Technik ja „logischer“ sein, als zum Beispiel Magie.

Darauf habe ich zwei Antworten: 1) Wenn man sich bemüht, möglichst nah an naturwissenschaftlichen Realitäten zu bleiben und von diesen ausgehend seine eigene Fiktion zu spinnen, ist das vielleicht nicht schwieriger, aber schon rechercheaufwändiger als ein normaler High-Fantasy-Roman. (Wobei man auch den Rechercheaufwand dort nicht unterschätzen sollte; für Imperium der Drachen beispielsweise habe ich einiges an Material über die Antike gelesen.) 2) Wer sagt, dass SF-Technik logischer ist als Magie? Ich glaube, hinter dem Magiesystem in meiner Trilogie Magierdämmerung steckt mehr Konzept, als hinter dem Hyperantrieb bei „Star Wars“. Eine Menge SF-Romane sind doch Space Operas (was kein Vorwurf ist; ich liebe Space Operas). Und die scheren sich normalerweise nur recht wenig um „technische Logik“. Hier nutzen Autoren die Technik für tolle Special Effects, ähnlich wie „Sword & Sorcery“-Autoren ihre Magie einsetzen.

Lass uns ein wenig auf die Technik in deinem Roman eingehen. Raumschiffantriebe funktionieren bei dir mit Texaferm. Wie genau hast du dir überlegt, was sich dahinter verbirgt?

Genau genommen wird nur der Sublichtantrieb mit Texaferm angetrieben. Im Grunde ist das meine Form der „Dilithiumkristalle“ bei Star Trek. Es handelt sich um einen hochenergetischen, massereichen Feststoff-Brennstoff und ein exotisches Material, das die Peko, die Aliens in meiner Romanreihe, der Menschheit gebracht haben, wodurch jener das Tor zu den Sternen geöffnet wurde. Ich musste dieses Material erfinden, damit die enormen Geschwindigkeiten erklärbar sind, mit denen die Schiffe beschleunigen und abbremsen können. Das wäre mit normalen Raketentreibstoff im Tank nur schwer machbar gewesen. (Aber ganz ehrlich: In der Raumschiff-Technik halte ich es mit der Space Opera. Auf Dinge wie Andruckabsorber und künstliche Gravitation kann man in Romanen wie Frontiersmen kaum verzichten, auch wenn sie nur enorm knifflig erklärbar sind.)

Kurz vor Ende des Buches ist einmal von Lordsburg statt von Heaven's Gate die Rede? Interessiert sich der Captain für alte Erden-Western oder wie ist das gemeint?

Lordsburg ist die Hauptstadt des Planeten Heaven's Gate. Ganz einfach. Wird das nicht klar? Dann war das ein Versäumnis von mir.

Das Buch ist ja nicht nur SciFi, sondern gleichzeitig ein Western im Weltraum. Welche Affinität hast du zu Western?

Ich mag Western – Westernfilme, um genau zu sein. Die Liebe hierzu entdeckte ich während des Studiums. Und sie hält bis heute an. Western und SF haben ja vieles gemeinsam. Sie erzählen von einem Leben draußen an der Grenze, von Weite und Freiheit, von mutigen Männern und Frauen, vom mal edlen, mal zornigen „Fremden“, sie sind voller Dynamik und Pathos und die Geschichten spielen vor atemberaubendem Panorama. Irgendwie spricht mich das einfach an.

Im Gegensatz zu anderen Weltraumwestern (ich denke hier vor allem an Firefly) hast du mit der Alien-Rasse der Peko, sogar eine Entsprechung zu den Indianers des irdischen Wilden Westen eingebaut. Was war die Motivation dahinter?
Vor allem die, mir Optionen zu öffnen. Ich will auch Themen behandeln können, die in Firefly keine Rolle gespielt haben, etwa die Situation von „Ureinwohnern“, die sich von einem expansionsfreudigen Volk aus Kolonisten überrollt sieht. Die Parallelen zur US-amerikanischen Geschichte im 19. Jahrhundert sind natürlich gewollt, ohne dass ich mich jetzt darauf festnageln lassen will. Es ging auch darum, mit zu überlegen, was ich anders als Firefly machen kann, denn natürlich liegt der Vergleich nahe. Und mein Entschluss war, beim Western-Aspekt möglichst noch eine Schippe draufzulegen, etwas, das ich in Zukunft gerne noch ausbauen möchte.

Der zweite Band Frontiersmen – Blutfehde auf Alvarado ist für März angekündigt. Worauf dürfen wir und freuen? Geht es mit der gleiche Crew weiter?
Es gibt ein neues Abenteuer, aber in gleicher Besetzung. Blutfehde auf Alvarado spielt ein paar Wochen nach Höllenflug nach Heaven's Gate. Es geht um zwei Familien, die sich auf der Welt Alvarado, die an der Grenze zwischen Kernwelten und Randplaneten liegt, um die Macht über einen lukrativen Raumhafen streiten. John Donovan und seine Leute wollen eigentlich nur eine Ladung Rinder verkaufen, die sie dorthin transportiert haben, aber dann werden sie in den Kleinkrieg hineingezogen und plötzlich ist ihr aller Leben in Gefahr.

Über welche weiteren Projekte von dir kannst du schon berichten?

Konkret? Leider gar keins. Aber ich kann ein wenig orakeln. Ende Oktober wird ein großes, sehr abgefahrenes Buchprojekt angekündigt, an dem ich gerade mit Christian Humberg (meinem Co-Autoren der Drachengasse 13-Bücher) arbeite. Im Februar oder März nächsten Jahres kommt ein schönes, leicht phantastisches Kinderbuch auf den Markt, wieder mit Christian gemeinsam ersonnen und verfasst. Darüber hinaus verhandle ich gerade mit Bastei Lübbe über einen möglichen dritten Band der Frontiersmen. Und ein spannendes High-Fantasy-Konzept wurde just an alle größeren Publikumsverlage geschickt. Ich bin guter Hoffnung, dass es einen Abnehmer findet, sodass ich das 2016 schreiben kann. Ich jongliere also gerade mit einer ganzen Reihe an kommenden Publikationen.

Bevor wir zum Ende kommen noch eine letzte Frage, um es dem nächsten, der dich interviewen darf, leichter zu machen: Welche Frage würdest du gerne mal in einem Interview gestellt bekommen?

Ich freue mich über jede Frage, die mir noch kein anderer je gestellt hat. Denn das erlaubt mir, eine Antwort zu formulieren, die ich noch nie so ähnlich schon mal gegeben habe.

Vielen Dank für das Interview!

Kommentare:

  1. *heftig heftig nick*
    Das waren einige sehr interessante Antworten!
    Aber auch sehr schöne Fragen, Dibbler!
    Das mit dem Pseudonym hat mich ja jetzt besonders interessiert, da ich ja auch drauf rein gefallen bin - ich sag' nur "Kommt aus den Südstaaten".
    Und ich gebe Perplies und dem Verlag hier recht, in meiner Zeit an der Uni habe ich mal versucht eine Hausarbeit über deutsche Science Fiction Autorinnen (!) zu verfassen, das war damals die reinste Unmöglichkeit!
    Leider muss man sagen, greift der - wie hieß es hier? - Gelegenheitsleser tatsächlich eher zum Wes Andrews als einem Bernd Perplies.
    Das kann ich jetzt vielleicht nicht von mir sagen, weil ich immer traurig vor der SF Sparte stehe in meiner Lieblingsbuchhandlung und mich nach JEDEM neuen Buch in der Sparte strecke. Dennoch ein großes Lob für diese Entscheidung UND das Cover.
    Danke Dibbler, damit hast du mir den Montag versüßt (auch wenn gestern schon gepostet).
    Deine Lesekatze Key

    AntwortenLöschen
  2. Sehr interessantes Interview, dass mir definitiv noch mehr Lust aufs Buch macht :D Vor allem bin ich aber auch echt gespannt auf die nächsten Buchprojekte, besonders natürlich das High-Fantasy-Projekt. Ich hoffe, daraus wird was :)
    LG Steffi

    AntwortenLöschen