Dienstag, 10. November 2015

[GUTE PHANTASTIK] #1 Der Wortschatz


„Die Straße, die Gandalf entlang ritt, war gerade wie die Route 66 und da Schattenfell ähnlich schnell war wie ein 50er Moped, legten sie die Strecke schneller zurück als Pippin iPhonedisplayreparaturservice sagen konnte.“

In dieser Artikelserie, möchte ich darauf eingehen, was für mich gute phantastische Literatur ausmacht. In diesem ersten Artikel soll es um einen Aspekt des Stils gehen, nämlich um die verwendeten Begrifflichkeiten. Im Prinzip gibt es in dieser Hinsicht eine goldene Regel, die alles sagt:

„Die Sprache muss zum Thema und Setting passen.“

Das einleitende und zugegebenermaßen sehr überspitzte Beispiel zeigt, wie seltsam es anmuten kann, wenn die Sprache nicht passt. In ein mittelalterliches oder ein an das Mittelalter angelehntes Setting passen einfach keine offensichtlich neuzeitlichen Begriffe. Wenn man es streng sieht, passen auch weniger offensichtlich neuzeitliche Begriffe nicht. Allerdings werden die meisten Leser viele Begriffe und Redewendungen gar nicht als neuzeitlich erkennen und sich folglich auch nicht daran stören. Nehmen wir zum Beispiel das schöne Wort „blümerant“, das so viel wie „unwohl“ bedeutet. Heute wird es kaum noch verwendet und insofern ist es ein altmodisches Wort. Als solches bietet es sich geradezu an, es in einem Roman, der zum Beispiel im Mittelalter spielt, zu verwenden. Genaugenommen wäre das aber falsch, da das Wort erst im 17. Jahrhundert entstand. Stören wird es aber wohl weniger Leser als ein offensichtlich moderner Begriff. In einem historischen Mittelalterroman sollte man aber trotzdem darauf verzichten. Hier soll es aber um phantastische Literatur gehen. In einem Roman, der in einer phantastischen Version des Mittelalters spielt, kommt es meines Erachtens weniger auf die tatsächliche Historie an, sondern viel mehr darauf, dass die Begriffe zur Welt passen. An „blümerant“ würde ich mich nicht stören; an „Route 66“, „Moped“ oder „iPhone“ aber sehr wohl.

Neben dem zeitlichen Aspekt muss der Begriff aber auch in die Welt passen. Schwierig wird es bei Begriffen, die sich auf irdische religiöse oder historische Begebenheiten beziehen. „Damoklesschwert“, „Samariter“, „teuflisch“ und ähnliche Begriffe haben in einer High Fantasywelt mit eigener Kultur und Religion eigentlich nichts verloren. Hier muss dann aber noch die Erzählsituation berücksichtigen. Ein personaler Erzähler oder Ich-Erzähler sollte solche Begriffe nicht verwenden; es sei denn er stammt eigentlich aus unserer Welt. Für einen auktorialen Erzähler finde ich solche Begriffe weniger kritisch.

Dann gibt es natürlich in Fantasyromanen auch noch neue Begriffe, die sich der Autor für seine Welt ausgedacht hat. In diesem Zusammenhang sind aus meiner Sicht zwei Dinge zu beachten. Zum einen sollte man auf das rechte Maß achetn. Ein paar exotische Begriffe tragen zum Flair bei, zu viele machen den Text schwer verständlich. Zum anderen sollte man darauf achten, dass der Leser die Chance hat zu verstehen, was diese Wörter bedeuten sollen. Idealerweise wird die Bedeutung aus dem Kontext klar, manchmal ist aber auch eine kurze Erklärung passend.

Wenn ein Autor diese einfachen Regeln beachtet, ist er sprachlich schon auf einem guten Weg. Aber natürlich ist das nur meine Meinung. Andere Leser mögen das anders sehen.

Wie seht ihr es?

Kommentare:

  1. Hallo!

    Ich sehe das genauso! Ich war vor einem Jahr in Mainz auf der ersten Buchmesse in Rheinland-Pfalz, da hat ein Autor aus seinem High-Fantasy Buch vorgelesen, in der Ich-Perspektive geschrieben und da kam das Wort "Roboter" vor. Hat dann nicht so gepasst...

    LG
    Isana

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  2. Hey André,
    ich schnei mal kurz vorbei um dir zu sagen, dass ich dich getaggt habe. Vielleicht hast du ja Lust dazu :)
    Hier kommst du zum TAG
    Liebe Grüße
    Charleen

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  3. Das Thema, über das du schreibst, erinnert mich an ,,Das Lied des Blutes" von Anthony Ryan, denn dort erwähnte die Hauptfigur vor einem wichtigen Kampf, dass er ,,Lampenfieber" hat. Da wurde ich auch stutzig, weil es nicht so recht zu einer archaischen Fantasy-Welt passte.

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