Sonntag, 15. Mai 2016

[INTERVIEW] Rudolf Eizenhöfer


Rudolf Eizenhöfer ist Zeichner und Autor. Ich durfte ihn im Rahmen der Leipziger Buchmesse kennen lernen, wo er sein erstes Kinderbuch Mein Papa ist ein Ork präsentierte. Dort hatte ich auch die Gelegenheit einen Blick in die Zeichnungen zu Band 2 Mein bester Freund ist ein Goblin zu werfen. Nun ist der zweite Band erschienen. Aus diesem Anlass habe ich ein kleines Interview mit Rudy (so signiert er seine Bilder) geführt.

Hallo, Rudy! Willkommen in der Bibliothek von Imre. Stell dich doch bitte den Nutzern dieser Bibliothek kurz vor! 

Ich bin der Rudy, eigentlich Rudolf, komme aus dem schönen Frankfurt und zeichne eigentlich schon mein ganzes Leben. Das hat schon als Kind angefangen und mich nie wieder losgelassen.

Du bist ja Zeichner und Autor. Als was siehst du dich primär? Was macht dir mehr Spaß? 

Ich bin ganz klassischer Zeichner. Allerdings braucht man für eine gute Zeichnung auch immer eine gute Story. Daher sage ich immer: Eine Zeichnung ohne erkennbare Story darunter, funktioniert nicht.

Bei »Mein Papa ist ein Ork!« und »Mein bester Freund ist ein Goblin!« bist du beides. Wie gefällt dir diese neue Rolle? 

Ich liebe diese Kombination. Man erkennt auch in meinen Büchern dieses 50-50 Verhältnis von Wort und Bild. Es ist was anderes wenn man für einen Autoren zeichnet, da müssen sich die Bilder nach dem Text richten. Hier kann ich den Text an das Bild anpassen und umgekehrt, das solange bis ich es für perfekt halte.

Deine Orks sind grünhäutig. Für den deutschen Fantasy-Fan gibt es ja durchaus noch andere denkbare Varianten (z.B. schwarzes Fell). Warum sehen deine Orks so aus, wie sie aussehen? 

Für mich persönlich gibt es rote, schwarze, gelbe, haarige, pelzige, gepunktete Orks genauso wie es grüne gibt. Meine Intention aber ist es Fantasy auf einen gewissen Ursprung zurückzuführen. Fantasy, die jeder versteht, vor allem Kinder. Wenn ich an die 90er Jahre denke, da muss man zugeben, dass es nur selten andersfarbige Orks gab, die waren ausschließlich grün. In dieser Zeit bin ich groß geworden, da ist ganz klar auch eine gewisse Nostalgie-Note, die aus mir herauskommt. Mein Goblin im zweiten Band ist nun eher gelblich. Er sollte sich vom klassisch grünen Ork etwas abheben. Bei Goblins ist es auch nicht weiter schlimm denke ich. Meine zukünftigen Trolle werden übrigens mit Sicherheit steingrau!

Du bist ja insgesamt großer Ork-Fan. Wie kam es dazu? Jemand hat einmal über dich gesagt, dass du auf »leicht ironische, verspielte, aber trotzdem düstere Art und Weise« zeichnest. Auf die beiden Ork«Kinderbücher« trifft das ja nicht wirklich zu. Wie kam es zu diesem Wandel? 

Meinen leiblichen Papa könnte ich am besten als Ork beschreiben. Vermutlich mag ich deshalb Orks so gerne. Ich hatte aber auch Freunde, die für mich zum Beispiel wie ein Goblin, Oger oder Troll daher kamen. Schaut euch mal um, jeder kann auf den Straßen Orks oder Goblins entdecken, ganz normal im Alltag. Ich habe mich nie festgelegt düster zu zeichnen. Es ist das Spiel mit den Klischees. Sie zu brechen hat sich für mich zu einem Hobby entwickelt. Humor und Ironie ist da natürlich das beste Werkzeug. Kinderbücher sind gerade weil sie so unschuldig tun der perfekte Spielplatz für ironisch düstere Fantasy-Gestalten. Persönlich habe ich aber in Orks, Trollen, Goblins, usw. zuerst immer nur das Gute gesehen.

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen ein »Kinderbuch« zu schreiben? 

Irgendwann im Leben denkt man natürlich darüber nach eine Familie zu gründen. Jeder, der mal kurz davor war Papa zu werden, wird die Träumereien und wilden Gedankengänge kennen, die sich dann bilden. Wenn ich ehrlich bin entstammt aus genau so einer Gefühlssituation die Idee, das mein Kind mal ein ganz besonderes Kinderbuch von seinem Papa bekommt. Nicht nur irgendeines, sondern etwas, dass ihr den Papa erklärt, so wie er in seiner Seele ist. Ein klassisches Kinderbuch kann mir das bis heute nicht bieten, also habe ich es selbst konzipiert.

Beide Bände sind unterhaltsam, haben aber auch eine Message. Warum? 

Ich bin eigentlich kein Freund von Moral-Predigten. In diesem Fall ist die Message wohl auf die Verspieltheit der Idee selbst zurückzuführen. Würde mir ein weißer Ritter, der gerade einen bösen Drachen erlegt hat, hinterher eine Moral-Predigt halten, würde ich den Kopf schütteln. Wenn dies allerdings ein Ork tut, aber auf seine orkische Art, dann ist es was anderes. Er hat vermutlich andere Erfahrungen im Leben gesammelt als ein gepuderter weißer Ritter. Nicht umsonst, bin ich beim Verlag Schwarze Ritter gelandet.

Erzähl doch mal ein bisschen, was du für Band 3 planst? 

Ich verrate nicht viel. Aber es wird um böse Elfen gehen. Auch der Orkpapa wird wieder eine größere Rolle spielen, als beim zweiten Band.

Wie geht es nach Band 3 weiter? Hast du schon andere Projekte in der Schublade? 

Es sind jede Menge Story-Entwürfe in der Schublade. Ich möchte zum Beispiel weiter Oger, Trolle, Hobgoblins und Riesen thematisieren. Die weiblichen Protagonisten sollen dann auch stärker zum Zug kommen. Aber auch Unterwelt-Dämonen, Magier (aller Art) und kuriose Fabelwesen werden vorkommen. Man nehme mir bitte nicht übel, dass ich vorerst keine Geschichten schreibe, die die strahlend-gute Seite der Fantasy zum Thema haben! Paladine gibt es bei mir nicht. Höchstens als rostige Rüstung im Burggraben.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit deinen Büchern!

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