Sonntag, 6. November 2016

[INTERVIEW] Sandra Baumgärtner


Sandra Baumgärtnerin ist eine Phantatsikautorin aus Trier. Die Rezension zu ihrem Dark/Urban Fantasy Roman Chonik der Hagzissa findet ihr hier. Außerdem hatte ich das Vergnügen sie zu diesem Buch und ihrem sonstigen Schaffen zu interviewen.


Hallo Sandra! Ich freue mich, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Sei doch so nett und stell dich kurz vor!

Hallo André. Danke für dieses Interview!

Seit etwa fünf Jahren nenne ich mich offiziell Autorin, schreibe hauptsächlich Fantasyromane für Alt und Jung und lebe mit zwei Fledermäusen und einem Statthalter in Trier. Ich habe keine Katze, dafür aber jede Menge imaginäre Haustiere. Und wer mich auf Messen und Konventions in der Menge sucht, muss nur nach meinem Schiffchen Ausschau halten. Überhören tut man mich zwar nicht, übersehen kann man mich aber leicht.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe bereits in der Grundschulzeit sehr gerne geschrieben und gelesen. Mit meinen ausführlichen, meist erfundenen Ferienaufsätzen habe ich meinem Deutschlehrer vermutlich mehr Arbeit gemacht, als ihm lieb war. Später wurden aus diesen erfundenen Aufsätzen tatsächlich realistische Reiseberichte. Es folgten erfundene Begebenheiten in der Realität. Tja, und irgendwann war das komplette Manuskript für mein Debütroman „Seraphim: Carpe Noctem“ fertiggeschrieben.

Superhelden, Hexen, Vampire – alles, das du bislang geschrieben hast, lässt sich der Phantastik zuordnen. Warum gerade dieses Genres?

Dieses Genre lässt meiner Fantasie einfach den größten Spielraum. Wobei ich diesen Spielraum (noch) nicht vollends ausschöpfe. Ich bewege mich in meinen Geschichten ja meist in einer Realität wie wir sie kennen und packe lediglich phantastische Gestalten wie Vampire, Hexen und Co. hinzu. Außerdem sind die Phantastik-Kollegen einfach klasse. Phantastisch eben. ;-)

Könntest du dir vorstellen auch mal etwas ganz anderes zu schreiben? Wenn ja, was?

Ja, könnte ich. Ich habe zum Beispiel noch einen Mosel-Krimi in der Schublade, den ich gerne fertigstellen würde. Momentan finde ich dazu aber keine Zeit. Ansonsten gibt es eigentlich nichts, was ich grundsätzlich ausschließen würde, solange es mir Schreibspaß garantiert.


Anlass für dieses Interview war ja, dass ich die Chroniken der Hagzissa gelesen habe. Lass uns also ein wenig auf dieses Buch eingehen, auch wenn es nicht das aktuellste ist. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?

Danke fürs Lesen! Ich hoffe, du hattest Spaß dabei.

Die Idee für dieses Buch ist vor gut 15 Jahren entstanden. Im Zuge meines Studiums stieß ich in Geschichtsbüchern immer wieder auf die Hexenverfolgungen im Späten Mittelalter/Frühe Neuzeit. Trier spielte dabei eine nicht unerhebliche Rolle, was mich als damalige Neu-Triererin aufhorchen ließ. Natürlich kannte ich das Bild der rothaarigen, Besen reitenden Frau. Doch die Realität sah anders aus. Die (Meine) tradierte Vorstellung einer Hexe hielt der der tatsächlich als Hexen verbrannten Menschen nicht mehr Stand. So las ich mich von einem ins nächste Fachbuch und fand original Akten von Hexenprozessen. Wenn man sich derart intensiv in ein Thema einarbeitet, beginnt das Schriftstellerhirn damit, diese Informationen zusammenzubauen, weiterzuspinnen, eine Prise Phantastik hinzuzufügen und -schwupps- spuckt es eine neue Romanidee aus. Wobei es mir beim Schreiben von Chronik der Hagzissa sehr wichtig war, mich nicht an der Märchenhexe zu orientieren, sondern an den „Hexen“ der Realität.

Warum benutzt du den Begriff »Hagzissa« und nicht den wesentlich bekannteren Begriff »Hexe«?


Für meine (historischen) Protagonisten war es sehr wichtig, sich von den alltäglichen Hexen zu distanzieren (Warum, das muss man nachlesen. ;-) ). Mir selbst klang „Chronik der Hexe“ schlichtweg zu abgedroschen. Es gibt noch einige andere Synonyme, aber „Hagzissa“, ein althochdeutscher Begriff für Hexe, fühlte sich einfach richtig an.

Das Buch hat ja einige historische Bezüge. Hast du viel für das Buch recherchiert?

Wenn man die vielen Fachbücher dazurechnet, die ich vorab und ohne an einen Roman zu denken gelesen habe, dann habe ich ziemlich viel recherchiert. Im Zuge des Schreibprozesses kamen natürlich noch ein paar Bücher und etliche Fachbespräche u.a. mit der Historikerin Stefanie Altmeyer hinzu, die dann das wunderbare Nachwort für die Chronik verfasst hat. Alles in allem war es also eine jahrelange Recherche für dieses Buch.

Deine aktuellste Veröffentlichungen sind ja Episoden für die Superheldinnenreihe AURORA. Erzähl uns doch bitte ein wenig darüber!

Der Papierverzierer Verlag fragte mich an, ob ich bei einer Novellenreihe mitmachen möchte. Alleine das Setting hat mich sofort überzeugt. Acht Autorinnen, acht Superheldinnen in acht Städten eines alternativen Deutschlands. Dazu Allan J. Stark, der die Cover entwerfen sollte. Der Meta-Plot stand, ließ uns als Autorinnen aber genügend Spielraum, sich auszutoben. Diese Chance wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. So entstand meine Superheldin Ylva Pauer, die gemeinsam mit ihrem La-Kay in Treverorum (einem alternativen Trier) auf Verbrecherjagd geht. Sie ist keine klassische Heldin, also keine nette Barbie, sondern genau das Gegenteil. Ylva ist taff, sagt ihre Meinung und manchmal auch Dinge, die schneller raus sind, als gedacht. Das hat ihr den Ruf eingebracht, arrogant und kühl zu sein. Sie ist aber vielmehr ehrlich und loyal. Das macht diesen Charakter so reizvoll.

Aktuell sind zwei meiner Novellen veröffentlicht. Ylva Pauer - Kreative Kampfansage und Ylva Pauer - Selbstmörderische Scharade. Im Dezember folgt die dritte und letzte Episode der ersten Staffel. Alle Episoden der AURORA-Reihe gibt es momentan nur als eBook. Zur Buchmesse in Leipzig wird es dann zu jeder Superheldin auch ein gedrucktes Buch geben, in dem alle drei Episoden zusammengefasst werden.

Wenn du für einen Tag mit einer Figur aus deinen Büchern tauschen könntest, wer wärst du dann gerne und warum?


Hm, das ist schwierig. Nur einen Tag? Da sind einige Figuren, in deren Rollen ich gerne mal etwas länger schlüpfen würde. Der Vampir Leander Kayran ist so einer. Oder Oma Rosina aus der Chronik. Was die alte Dame alles erlebt haben muss. Und natürlich Ylva Pauer, die mit ihrer Superkraft von einem Ort zum anderen teleportieren kann. Und dann noch meine neue Protagonistin aus dem neuen #ProjektOZ. Sie bereist im Moment gerade Australien und geht im Barrier Reef auf Tauchstation. Da wäre ich selbst sehr gerne. Eine Entscheidung fällt mir wirklich schwer. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum ich schreibe. Ich kann all diese interessanten Charaktere beim Schreiben ausleben. Und meine Leser erleben beim Schmökern hoffentlich das Gleiche.

Auf welche Projekte von dir, dürfen wir uns in der nahen Zukunft freuen?

Da steht noch dieses Jahr die dritte Episode der AURORA-Reihe an. Im März erscheint dann die Printversion zur Reihe. Außerdem wird zur Leipziger Buchmesse auch eine Anthologie erscheinen, zu der ich eine Kurzgeschichte beitragen durfte. Dann soll auch der erste Teil meines neuen Fantasy-Zwei/Dreitteilers (besagtes #ProjektOZ) erscheinen. Im August wartet schließlich eine Riesensache, zu der ich aber leider noch nichts Konkretes sagen darf. Außer, dass sie wirklich großartig wird. Daran wird niemand, der in der Fantastik zuhause ist, vorbeikommen. :D Wer auf dem Laufenden bleiben mag, kann meinen Newsletter „Neues aus der Baumgärtnerschen Schreibstube“ über meine Homepage bestellen.

Bevor wir zum Ende kommen noch eine letzte Frage, um es dem nächsten, der dich interviewen darf, leichter zu machen: Welche Fragen würdest du gerne mal in einem Interview gestellt bekommen?

Hahaha! Super Frage! Fragen nach meinem Privatleben wären willkommen. Das würde mir Arbeit ersparen, denn die beantworte ich nicht oder nur sehr knapp. Andererseits fänden das die Interviewer dann nicht so gut. Hm, also vielleicht die Frage nach meinem Lieblingsrezept? Obwohl … da reicht es, die Chronik zu lesen. Nach einem ausgefallenen Hobby? Aber dazu bräuchte man eigentlich nur Ylva Pauer lesen. Wie mein Traummann aussähe, wenn ich ihn mir backen könnte? Ach nein, das ist ja eine private Frage. Außerdem habe ich den schon gebacken bekommen. Was mich traurig, fröhlich, nachdenklich macht? Nein, das sind blöde Fragen, deren Antworten keinen interessiert. Ach, weißt du was, André? Die Interviewer sollen sich da mal schön selber etwas ausdenken. Ich finde für zu viele kreative Antworten einfach zu wenige kreative Fragen. ;-)

Vielen Dank für das Interview!

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